Alle Jahre wieder, die Mär vom Lichterfest

Jedes Jahr um diese Zeit zieht der Irrglaube durchs Netz, unsere schönen Traditionen würden unterwandert. Wir würden aus reiner Freundlichkeit, den Menschen gegenüber, die wir eingeladen haben Asyl bei uns zu finden, St. Martin in ein Lichterfest verwandeln und die Weihnachtsmärkte in Wintermärkte umtaufen. Davon abgesehen, dass mir gänzlich unklar ist, was daran so schlimm wäre, ist es Unsinn. Selbst wenn es in diesem Jahr von Wolfgang Bosbach, süffisant lächelnd verbreitet wird, ist es Quatsch, weil das niemand von uns verlangt. Was haben wir denn eigentlich für wertvolle Traditionen, auf die wir so stolz sein können? Auf welche Werte können wir uns verlässlich berufen? Goethe, Schiller, Beethoven und Hölderlin sind tot, einzig die literarische Welt erinnert sich an sie. Wir begingen einen Völkermord, der seines Gleichen sucht und schauen heute mehr oder weniger verwirrt, auf Menschen in unserem Land, die sentimental unglücklich verquert, sich nach diesen alten Zeiten zurückzusehnen scheinen, wie es uns die Wahlergebnisse im Osten des Landes beweisen. Wir laufen mit geschlossenen Augen durch die Saarbrücker Bahnhofstraße, weil wir das ganze bettelnde Gesocks nicht sehen möchten. Unsere Gastfreundlichkeit zeigen wir einzig in der Vorweihnachtszeit, wenn uns so schön warm ums Herz wird. Ja es gibt schon viel Elend in der Welt. Wir latschen zu Primark und ersteigern dort zu Dumpingpreisen Klamotten, die nur unter schlimmsten Bedingungen, in Bangladesch hergestellt sein können, hoch lebe die Eitelkeit, die wir bei Instagram zur Schau stellen dürfen. Wir verkaufen Waffen in Kriegsgebiete und nennen das Konfliktlösung, hauptsache der Rubel rollt.

Wir zahlen 1000 € für ein nigerianisches Kind und missachten die Tatsache, dass es aus einer Gebärfabrik stammt, in die seine minderjährige Mutter veschleppt und dann vergewaltigt wurde. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände dort, vertreiben die Menschen. Sie landen in Libyen, wo die medizinische Versorgung fehlt und sie elendig verrecken. Es sind mittlerweile mehr Menschen in der Sahara vergraben, als im Mittelmeer ertrunken. Weil man die Namen der Menschen nicht kennt, werden ihre Grabsteine mit Nummern versehen. Sie enden als Nummer, als eine Zahl, das ist alles was sie wert waren. Afrika ist ein gebeuteltes Land. Die gesamte afrikanische Geschichte, ist durchtränkt von Ausbeutung. Zuerst wurden sie als Wilde betrachtet, man missionierte und zivilisierte sie. Danach wurden sie versklavt und nach Übersee verschifft, wo sie auf Baumwollfeldern oder als Hausangestellte arbeiteten. In den 1960 er Jahren wurde der ganze Kontinent durchgeimpft, angeblich aus humanitären Gründen. In den 1980 er Jahren, brach dort die Immunschwäche HIV aus, die dann zu uns rüberschwappte. Kinder und Jugendliche haben die Wahl, sich zu bewaffnen und am Bürgerkrieg teizunehmen, oder unter schlechtesten Bedingungen in Minen Kobalt zu schürfen, damit wir in unsere Handys quatschen können. Auf Vergnügungsreisen, wie Safaris erschießt man ihre Tiere und zeigt sich voller Stolz damit im Netz. Elefanten liegen verblutend in der Steppe, weil man ihnen die Stoßzähne rausgeschnitten hat.

Im letzen Jahr rief die Bundesregierung, das Program „Compact with Afrika“ ins Leben, um die G20 Staaten zu Investitionen zu bewegen. Die Bundesregierung bezeichnete ihr Vorhaben als unterstützende wirtschaftliche Aufbauhilfe, ich nenne es modernen Kolonialismus. Die Strukturen Afrikas sind undurchsichtig, sie bestehen aus der Armut afrikanischer Massen, einer kleinen korrupten Elite, multinationalen Konzernen und gierigen Politikern. Tom Burgis, der drei Jahre als Auslandskorrespondet in Afrika arbeitete, beschreibt in seinem Buch „Der Fluch des Reichtums. Warlords, Konzerne, Schmuggler und Plünderer Afrikas“ auf eindrucksvolle Weise, wie wir uns alle an der Ausbeutung beteiligen. Er spricht von der ölverseuchten Heimat der Ölindustrie Nigerias. Von den rohstoffreichen Schlachtfeldern des östlichen Kongos, von den Eisenerzen in Guinea. Geschäftsleute unterstützten in den 1990 er Jahren, den Milizenführer Kongos, mit geliehenen 20 Mio Dollar und erhielten im Gegenzug, lukrative Rohstoffverträge. Angolas Ölvorkommen wird durch China abgesaugt und unsere Banken investieren in die miesen Geschäfte und bereichern mit den Gewinnen unsere Rentenfonds. Mc Kinsey (Unternehmensberatung) ermittelte, dass weltweit 2/3 der ärmsten Menschen auf dieser Erde, in Ländern leben, deren Wirtschaft durch Öl, Gas und Mineralien dominiert wird. Die Ärmsten leben in reichen Ländern und haben nichts davon, ist das verständlich?

Ich erinnere mich an die ganzen Stimmungsmachenden Postings, die uns weiß machen wollten, dass unsere Regierung dafür Sorge trägt, dass wir durch afrikanische Menschen unterwandert würden. An die Postings, die uns darauf aufmerksam machen wollten, dass sich junge durchtrainierte afrikanische Männer in unserem Land aufhalten, die nur zu faul zum arbeiten sind. Die hier einzig Asyl suchen, weil sie uns die Frauen wegnehmen wollen. All die Postings, die vorgaben wahr zu sein und so fleißig von weißen Singlemännern geteilt wurden. Es wird Zeit euch zu sagen, dass ihr dumm seid, ungebildet, desinteressiert, ignorant, zu faul um selbst zu denken. Dieses ewige kindische, ungeprüfte Nachplappern irgendwelcher Stimmungsmacher macht mich wütend.

Marion Decker

Respekt

Meinung versus Stimmungsmache.

Meine Wahrnehmung fokussiert sich erschrocken auf die Tatsache, dass ich mich von großmäuligen Besserwissern umgeben fühle, die unsere schöne Sprache einzig dazu zu nutzen wissen, verbal um sich zu schlagen. Wir haben es weit gebracht im Land der Dichter und Denker. Ich erinnere mich daran, wie ich in den 1980er-Jahren, mit 20 anderen Punks, am Düsseldorfer Hauptbahnhof stand und auf die angekündigten Dortmunder Skinheads wartete, um Glatzen zu klatschen. Wir wurden von höflichen Polizisten aufgefordert, den Bahnhof zu verlassen und unserer Wege zu gehen. Daraufhin schimpfte ich auf den „Rechts-Staat“ im Allgemeinen und auf den Altkanzler Kohl im Besonderen und landete für die nächsten 8 Stunden in Polizeigewahrsam, um meine Meinung zu überdenken.

Einige von euch nennen mich heutzutage problemlos links versiffte Gutmensch Schlampe. Andrea Roth darf per Gerichtsbeschluss auf dumme Fotze reduziert werden. Dunja Halali ist uns bekannt als Hack Fresse, die Lügenpresse verbreitet. Mutti Merkel befindet sich in Neuland, wo sie sich nicht so gut auskennt. Flinten Uschi hat keine Ahnung von der Bundeswehr. Die Greta ist eine behinderte vorlaute Göre und die Nahles hat wieder rumgeprollt.

Wir dürfen Höcke jetzt offiziell als Faschisten bezeichnen, aber was bringt uns das, der quatscht seinen fremdenfeindlichen, homophoben, geistigen Irrsinn immer noch von deutschen Bühnen und wird beklatscht. Gauland darf den Holocaust ungehindert, als Fliegenschiss in der deutschen Geschichte bezeichnen, erfährt damit eine Aufmerksamkeit, die ihm nicht zusteht und vermiest mir durch seine bloße Anwesenheit, in zahlreichen politischen Talkshows den Abend.

Das waren noch Zeiten, als in den 1990er-Jahren eine alte Dame gerichtlich erwirkte, dass das Wort Altweibersommer aus der deutschen Sprache gestrichen wurde, weil sie sich mehr oder weniger verständlich diskriminiert fühlte. Heute darf jeder, nahezu ungehindert seine Meinung äußern. Wir sind eine Demokratie und hier herrscht Meinungsfreiheit. Das fällt mir nicht schwer einzusehen, allerdings gefällt mir zunehmend der Ton nicht.

Nun wurden soziale Netzwerke per Gesetzeserlass dazu aufgefordert, Hass, Häme und Hetze zu erkennen und zu eliminieren. Damit geben wir die Verantwortung einfach in andere Hände und sind fein raus.

Ich ärgere mich in ein Magengeschwür hinein, weil die Werte, die wir einmal vertreten haben, mit Füßen getreten werden. Es wird sich damit herausgeredet, dass, die Anonymität im Netz, derer sich viele bedienen, es möglich macht, der Respektlosigkeit freien Lauf zu lassen. 2019 beobachte ich den Höhepunkt der Schimpftiraden, die in diesem Land hauptsächlich Frauen unter der Gürtellinie treffen.

Es werden nach wie vor Hasspostings gegen Minderheiten weitergereicht und bis zu 50.000 x gelikt und geteilt. Irgendwelche Trolle aus der rechten Szene, sitzen den ganzen Tag vor ihrem Bildschirm und teilen, was das Zeug hält. Bis auch endlich der dümmste Bundesbürger glaubt, dass er es bei 50.000 Likes und Teilenden, mit der reinen Wahrheit zu tun haben muss und Klick, bekomme auch ich es in meine Timeline gerotzt.

Irgendwelche russischen und amerikanischen Bots sitzen den ganzen Tag vor ihren Bildschirmen und beeinflussen mit ihren Postings maßgeblich die Stimmung und die Wahlergebnisse in unserem Land und ich sehe unsere Demokratie gefährdet und möchte sie schützen.

Ich steigere mich in meinen Ärger hinein, wenn ich mich frage, wo die Kommissionen sind, die, wenn sie es schon nicht zu verhindern wissen wenigstens aufklären. So wie bei den Rauchern, die dem Staat Millionen an Steuergeldern einbringen. Der Staat versieht Zigarettenschachteln mit grauenhaften Bildchen, die den Raucher zu entwürdigen suchen. Warum nicht unter Hasspostings der Hinweis: „Dies ist antidemokratische Werbung, das Weiterverbreiten kann in unserer Republik schweren Schaden anrichten!“

Ich kann das Gejammer der Leute, die sich beschweren, dass man nicht mehr alles sagen darf, was man denkt, nicht mehr hören, weil es nicht stimmt. Ich laufe innerlich auf Hochtouren, wenn ich lese: „Das wird man doch noch sagen dürfen…“ Na klar darfst du alles sagen, was du willst, aber dann halte es auch aus, wenn du ausgegrenzt wirst!

© Marion Decker

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