Dunkeldeutschland

Die desaströse Landtagswahl in Thüringen, ist keine 24 Stunden her und ich befinde mich auf der Sinnsuche. Seit gestern frage ich mich, wie das passieren konnte und ich fand Antworten. Der rechtsnationale Vertreter der AFD, Björn Höcke, hat mit einem taktischen Manöver, den Bock zum Gärtner gemacht.

Im thüringischen Landtag befanden sich insgesamt 91 Mandate, meint 91 stimmberechtigte Landtagsabgeordnete. Dabei bildete die Linke, mit 29 Mandaten, die Mehrheit, gefolgt von der zweitstärksten Mehrheit, der AFD, mit 22 Mandaten, dicht dahinter, die CDU mit 21 Mandaten und weiter hinten, die SPD mit 8, Grüne mit 5 und FDP mit 5 stimmberechtigten Politikern. In den Landtag gewählt wurden sie alle von den stimmberechtigten Wählerinnen und Wählern in Thüringen.

Die gestrige Landtagswahl diente der neuen Regierungsfindung, durch die von Thüringen gewählten Abgeordneten und erforderte drei Wahlgänge. Im dritten Wahlgang waren folgende Kandidaten aufgestellt, Ramelow für die Linke, ein AFD naher, jedoch parteiloser Christoph Kindervater, für die AFD und Thomas Kemmerich, für die FDP. Das Ergebnis, dieses dritten Wahlgangs erschütterte ganz Deutschland. Ramelow, wurde mit einer Stimme weniger, durch Kemmerich geschlagen, der 45 Stimmen erhielt, während Christoph Kindermuth, von der AFD aufgestellt, keine einzige Stimme bekam. Die AFD hatte sich im Vorfeld dazu entschlossen, einheitlich Kemmerich zu wählen, was einige Abgeordnete der CDU, nicht durchschauten. Die CDU Abgeordneten, mit dem mangelnden Durchblick, gaben ihre Stimme ebenfalls Kemmerich, weil sie, der Partei „da ganz linksaußen“, also Ramelow, ihre Stimme nicht geben wollten. Kemmerich nahm sein Amt, als Ministerpräsident an und hat nun den Auftrag ganz allein, die Regierung zu bilden, so sieht es die thüringische Verfassung vor. Durch diesen Schachzug setzt Höcke seiner Partei, die Krone der vertrauenswürdigeren bürgerlichen Mitte auf und macht sich zum Wolf im Schafspelz. Kemmerich betont, dass es für ihn keine Zusammenarbeit mit der AFD geben wird und dass es keinen Ministerposten für eine Partei geben werde, die, das scheint er kurzfristig vergessen zu haben, ihn mehrheitlich gewählt hat. Im gleichen Atemzug lässt er uns wissen, dass er regieren möchte, um die Spaltung im Land zu überwinden und, dass er hofft, dass die demokratischen Parteien aufeinander zu gehen würden. Was immer er damit meinen mag.

Nun liegt das Kind im Brunnen und wir nähern uns einer Wirklichkeit, von der wir immer wieder ahnten. Mit dieser Art und Weise, wie wir gestern vorgeführt wurden, hatte allerdings kaum jemand gerechnet. Viele von uns wissen, um die Gefahr von rechts, die sich ausbreitet wie eine Geschlechtskrankheit und offenbar ebenso ansteckend ist. Björn Höcke ist eine, nun wirklich nicht mehr zu unterschätzende Gefahr. Er weiß genau was er macht und wie er mit Manipulation seine Ziele erreicht. Mir reicht es nicht, dass er vom Verfassungsschutz überwacht wird. Es ist gut, richtig und wichtig, dass wir uns alle, nach diesem gestrigen Verrat an uns, ereifern und lauthals beschweren, dass wir auf die Straße gehen und unseren Ärger zeigen. Jedoch glaube ich, dass wir nicht umhinkommen, unsere Nachbarn in Thüringen, Sachsen und Brandenburg, die ihre Volksvertreter in die Landtage gewählt haben, ernst zu nehmen. Wir dürfen deren Probleme nicht weiter bagatellisieren und Schönreden. Die AFD wuchs auf einem Nährboden von Unzufriedenheit, aus dem Gefühl des, vom Westen Deutschlands, abgehängt worden zu sein und wächst dadurch. Es ist eine Quid pro quo Situation. Je größer die Unzufriedenheit, desto größer die AFD. Nach dem Mauerfall, wurden auf politischer Ebene viele Versprechungen gemacht, die man nicht hielt. Die folgenden Enteignungen, durch die Treuhand taten ihr übriges. Firmen gingen in die Pleite, weil sie durch höhere Energiekosten, als im Westen, an Wettbewerbsfähigkeit verloren, darauf folgte für viele die Arbeitslosigkeit. Unsere Nachbarn gingen nicht freiwillig in den privaten Ruin, sie wurden gegangen und im Stich gelassen. Es wird allerhöchste Zeit für unsere selbsternannten bürgerlichen Parteien, ihr Augenmerk, auch auf den Teil unseres Landes zu werfen, dem sie moralisch verpflichtet sind und dem gegenüber sie sich so oft aus der Verantwortung gezogen haben. Die AFD ist für mich seit gestern offensichtlich, ein Problem viel größerer Tragweite, als viele angenommen haben.

Wenn ich an Deutschland denke in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht. Ich kann nicht mehr die Augen schließen und meine heißen Tränen fließen.

Heinrich Heine 1797-1856

Marion Decker

Autor: Marion

Ich bin 1969 geboren und schreibe nun schon eine ganze Weile. Meine Gedanken in Worte zu fassen scheint mir eine Notwendigkeit, die zu unterlassen, mich schlicht unvergnüglich stimmt. Darüberhinaus betreue ich Klientinnen mit persönlichen Problemen in ihrem Bestreben sich weiterzuentwickeln. Also eigentlich ganz ähnlich wie ich selbst.

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