Hanau bei Frankfurt am Main

In der letzten Nacht fielen in Hanau Schüsse, durch die neun Menschen getötet wurden. Der Täter war ein 43-jähriger Mann. Er erschoss sich nach der Tat selbst und nahm seine Mutter mit. Über die Hintergründe ist noch wenig bekannt, außer, dass der Täter einen Bekennerbrief und Videos mit Verschwörungstheorien hinterließ. Die Bundesstaatsanwaltschaft ermittelt. Die Opfer des Anschlags kamen aus anderen Herkunftsländern und waren in unserem Land sesshaft geworden. Der Täter schoss auf Menschen, die sich in Shisha Bars aufhielten. Die Tatorte wurden weiträumig abgesperrt, damit die Polizei ermitteln kann. An den Absperrbändern stehen Menschen, die weinen, Frauen die wehklagen, es herrscht ratlose Unverständlichkeit, Trauer, Wut und Angst. Die Menschen, die an den Absperrbändern verharren, sind die Angehörigen der Opfer, sie kamen zusammengelaufen, nachdem sie die Martinshörner hörten und die Blaulichter sahen. Sie machten sich Sorgen um ihre Familienmitglieder, zu Recht.

Erst am Montagabend lief Pegida, in Dresden zu ihrem 200. „Abendspaziergang“ gegen den Islam auf. Diesmal lud Pegida Gründer Lutz Bachmann, Björn Höcke als Hauptredner ein, der als Publikums Magnet doppelt so viele Zuhörer anzieht, als die Pegida selbst. Höcke wird in Sachsen als vermeintlicher Erlöser gefeiert, als zukünftiger Kanzler der Herzen. Pegida Initiator Bachmann, mehrfach verurteilt wegen Drogenhandel, Einbruch, Körperverletzung und Volksverhetzung, ernennt sich selbst gern zum aufrechten Kämpfer für den kleinen Mann. Die Gegendemonstration war genauso mengen-stark und zeigt uns, was die Thüringer Landtagswahl uns ebenso zeigte, wie gespalten wir sind.

Nach dem Mord an Walter Lübcke, dem Amoklauf in Halle, den Morddrohungen gegen Dr. Karamba Diaby, nun Hanau. Zurzeit häufen sich die Meldungen darüber, dass Kommunalpolitiker und ihre Familien bedroht werden. Ich weiß, dass unser Staat Handlungsfähigkeit zeigen kann, wenn er ein Problem erkannt hat, weil ich eine Razzia miterlebte, bei der in den 80er-Jahren RAF Mitglieder gesucht wurden. Warum möchte unser Staat, das heutige Problem nicht erkennen? Warum müssen wir uns bedrohen lassen, bis die Angst uns alle erfasst hat und uns ohnmächtig fühlen lässt?

An die Angehörigen der Opfer in Hanau:

Ich möchte euch so vieles sagen, ihr, die ihr zu uns gekommen seid, weil ihr Sicherheit suchtet, aber der Klos in meinem Hals macht mir das Sprechen unmöglich. Ich möchte mich bei euch entschuldigen, dass so etwas bei uns passieren kann, aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Ich möchte euch helfen, euch zu schützen, aber ich weiß nicht wie. Ich schäme mich für die, die mit ihrer Hetze, psychisch Kranke, zu solchen irregeleiteten Reaktionen anstiften, ich schäme mich für die Brandstifter. Ich schäme mich für unseren Staat, der euch eingeladen hat und die Zeichen der Zeit unterschätzt, sich nicht in der Lage zeigt, diesen Fremdenhass zu bremsen. Das Alles, tut mir so unendlich leid.

© Marion Decker

Autor: Marion

Ich bin 1969 geboren und schreibe nun schon eine ganze Weile. Meine Gedanken in Worte zu fassen scheint mir eine Notwendigkeit, die zu unterlassen, mich schlicht unvergnüglich stimmt. Darüberhinaus betreue ich Klientinnen mit persönlichen Problemen in ihrem Bestreben sich weiterzuentwickeln. Also eigentlich ganz ähnlich wie ich selbst.

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