Differenzen

Ich sitze an meinem Schreibtisch und blicke in die Ferne. Durch die pollenverstaubten Fenster fällt mein verschleierter Blick auf die riesigen Thujas, im parkähnlichen Garten. Ich habe nun alles gegeben die letzten Tage, Zeit investiert in den Nutzgarten, das Teichumfeld und den Vorgarten. Auf allen Vieren bin ich ums Haus gerutscht, um hier noch ein verirrtes Pflänzchen zu zupfen und dort noch ein wenig Moos zu beseitigen. Eigentlich wie jedes Jahr …eigentlich.                                                                                                                                            So gezielt ich mich im Garten tummle, so verwirrt irre ich von Zeit zu Zeit durch Facebook und finde mich voller erstaunen, ob all dieser eskalierenden Gedankenaustausche, wieder. Ich sehe so viele Meinungen kursieren, die ich einfach nur auf mich wirken lasse, würde ich sie alle bewerten wollen, ich wäre lange aussichtslos beschäftigt.

Ein Bekannter wagt die Behauptung aufzustellen, dass „Das Ganze“ vielleicht etwas überzogen ist. Er bekommt ein wenig Bestätigung, bis sich die Befürworter des derzeitigen Wissensstandes zu Wort melden und ihn als verantwortungslos bezeichnen. Es hagelt einige Bevormundungen und am Ende, als die Riege der Vernunft groß genug ist, prasseln Beleidigungen auf ihn hernieder.

Wir blicken nun wachen Auges in die Welt und erkennen sofort, wer die 2 Meter Grenze unterschreitet und wer zu einer Familie gehört. Wir bringen uns ein und kehren wieder vermehrt vor anderen Türen, weil uns schließlich unsere Verantwortung bewusst ist. Eine Verantwortung, die ich bei anderen brisanten Themen wie, Umweltschutz, Massentierhaltung, Flüchtlingskrisen und weltweite Hungersnöte vermisse, denn hier braucht es etwas mehr Einsatz, als den Zeigefinger zu heben.

Viele behaupten, dass die Wirtschaft nie besser an die Wand gefahren wurde als dieser Tage, sie haben zwar auch keine Lösung parat, sehen sich aber auch nicht in der Position, die Dinge zu lösen, sondern sehen ihre Aufgabe darin, angemessen Kritik zu üben.

Es entsteht verblüffend viel verrücktes Denken, darüber in welchem Labor „Das Alles“ entstanden ist, um die Weltwirtschaft zu stürzen, was uns ablenken soll, von der Unterwanderung durch Fremde und damit den Überfremdungsgedanken wieder aufgreift, der neue Ängste schürt.

Behauptungen werden in den Raum geworfen, darüber, dass die „Moslems“ in ihren Moscheen beten „dürfen“ und „wir“ Christen nicht. Man vergleicht sich und sieht andere im Vorteil und bemängelt, dass das eine Kind vorgezogen wird und das andere benachteiligt. Man vermeidet nun einfach die Aussage „wir Deutschen“, das macht einen komischen Eindruck, nein wir nennen uns „Christen“, dann sind wir auf der sicheren Seite.

„Ich weiß ganz genau!“, ist der Oton, der sich flächendeckend ausbreitet und die Besonneneren unter uns überrollt. Im Grunde wissen die meisten von uns, dass sie nichts wissen. Die Stimmen der Vernunft, schenken unseren Volksvertretern ihr Vertrauen, versuchen, das Ganze auszusitzen und hoffen auf das Beste.

Meine ganz Eigene Wahrnehmung, realisiert eine Wirklichkeit, die völlig frei von all diesem enormen Wissen geworden ist und dabei springt mir etwas ins Auge. Es geht nicht um die Infektionskrankheit und die dadurch entstandenen Probleme, wie Beschränkungen. Es geht den Marktschreiern nicht darum, nach Lösungen zu suchen, sondern nach Fehlern. Wir pflegen eine Beschwerdekultur der latenten Unzufriedenheit. In aufwendigen, zeitintensiven Manövern schauen wir auf das, was schief zu laufen scheint, das bietet sich an, davon gibt es vieles. Wir bemängeln vehement und unnachgiebig, wie wir das eigentlich bei jedem Thema machen, geben vor es besser zu wissen und ziehen mit der Flagge der Wahrheit durchs Dorf. Dabei treiben wir die eine oder andere Sau vor uns her, denn das macht Spaß, das ist uns ein Anreiz.

Mir fällt auf, dass die Menschen, deren Existenz wirklich bedroht ist, still geworden sind. Von ihnen hört man nichts mehr, weil sie fieberhaft nach Ideen suchen, ihr Konzept zu verändern, um im Rahmen des Möglichen und Erlaubten marktbeständig zu bleiben und nicht ganz in Vergessenheit zu geraten.

Auch mir fehlt die Möglichkeit meinen Frust zu kompensieren und so krieche ich weiter durch meinen Garten, lausche den Vögeln, bei ihren schönen Brautschaugesängen, bewundere mein Werk, das nun Blüten treibt und freue mich schon jetzt, auf den bevorstehenden Erwerb eines Paares neuer Schuhe.

In diesem Sinne, eine gute Zeit Euch allen.

Marion Decker

Autor: Marion

Ich bin 1969 geboren und schreibe nun schon eine ganze Weile. Meine Gedanken in Worte zu fassen scheint mir eine Notwendigkeit, die zu unterlassen, mich schlicht unvergnüglich stimmt. Darüberhinaus betreue ich Klientinnen mit persönlichen Problemen in ihrem Bestreben sich weiterzuentwickeln. Also eigentlich ganz ähnlich wie ich selbst.

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