Wir glauben, was wir sehn‘

Am 27. Januar 2020, begann für uns in Deutschland eine neue Zeitrechnung, die Zeit der Angst. Die Presse ließ uns wissen, dass nach Wuhan, ganz Europa in Angst und Schrecken versetzt wird. Kliniken in Italien, Spanien, Frankreich und Österreich wurden mit Menschen geflutet, die so schwer an Covid-19 erkrankt waren, dass Betten und Beatmungsgeräte ausgingen. Unserer Regierung sah es ebenfalls und entwickelte das Bedürfnis, die Ansteckungsrate so gering zu halten, dass unsere Kapazitäten ausreichen und die Versorgung der Dringlichkeitsfälle gedeckt ist. Man appellierte an unsere Vernunft Abstand zu halten und nur die dringendsten Besorgungen außer Haus zu erledigen. Wir wurden in unserer Bewegungsfreiheit beschränkt, ebenso in unserer Versammlungsfreiheit und unserem Bedürfnis nach sozialem Kontakt. Seit gestern sind wir gezwungen einen Mundschutz zu tragen, oder zu Hause zu bleiben. Heute sehen wir uns umgeben, von Menschen mit Schutzmasken und unser Unterbewusstsein, das sowieso überfordert ist, mit all den Einschnitten und Reizsignalen schlägt Alarm. Wir sind angespannt.

Nun äußern sich vehement Krankenschwestern unflätig im Netz und halten Schimpftiraden über die Unvernunft und den Egoismus ihrer Mitbürger. Der Teil von uns, der sich über die zunehmenden Beschneidungen zu beschweren weiß und diejenigen unter uns, die nicht angeschnauzt zu werden wünschen, gehen in Konfrontation. Die wütende Auseinandersetzung, scheint sowieso ein probates Mittel geworden zu sein, seiner Wut den nötigen Ausdruck zu verschaffen, um die eigene Angst zu kompensieren.

Tatsächlich mag ein Jeder von uns doch einmal in sich gehen und sich imaginär vorzustellen versuchen, wie die derzeitigen Zustände in unseren Krankenhäusern sich anfühlen müssen. Das Pflegepersonal kämpft jeden Tag um den Erhalt von Leben, die Zeit und das Virus jedoch arbeiten gegen sie. Die Hygieneauflagen erfordern ein Höchstmaß an Konzentration, wenn sie nicht Gefahr laufen wollen, selbst zu erkranken. Sie gehen nach einem Überstundenreichen Tag, nach dem täglichen Kampf um Leben und Tod, frustriert nach Hause und die Nerven liegen blank. Es ist unangemessen, sie dann noch wissen zu lassen, dass sie bei ihrem Aggressionspotential, das sie nach Außen tragen, vielleicht den falschen Beruf gewählt haben, nur weil es ihnen nicht mehr gelingt, die Mutter Theresa raushängen zu lassen.

Es ist doch so, das, was uns alle eint, ist die Angst und ein jeder findet für sich, ganz eigene Mechanismen, damit umzugehen, und hat auch das Recht dazu, unabhängig davon, ob das alle gutheißen, oder nicht?

Unsere Augen sehen Fallzahlen, schwer Erkrankte, Menschen in Quarantäne, Notstandssituationen wie Hamsterkäufe und menschenleere Straßen. Sehen Politiker, die uns zur Vernunft mahnen und zu Mäßigung und Ordnung aufrufen. Wir sahen Italiener, in Quarantäne, die auf ihren Balkonen Freiheitslieder intonierten und waren ergriffen. Das Alles saugt unser Unterbewusstsein auf, wie ein nasser Schwamm und wir alle haben Angst.

Ich persönlich glaube immer noch nicht, dass ich an Covid-19 sterben werde. Mir ist allerdings klar, dass es viele Menschen gibt, denen das tatsächlich passieren kann. Es reicht ein geschwächtes Immunsystem, den Zenit der Jugend weit überschritten zu haben, eine Gefäßerkrankung, eine Autoimmunerkrankung, ebenso wie das jahrelange Rauchen und die chronischen Bronchitiden, die damit einhergehen. Und wegen ebendiesen Menschen, trage ich meine Atemschutzmaske mit Würde. Nicht, weil man mir sagt, dass ich es muss, oder weil ich besonders vernünftig bin, sondern weil ich niemanden verletzen möchte. Weil ich nicht wirklich wissen kann, ob ich es schon habe, denn es gibt sie, die milden Verläufe, bei denen eine Übertragung trotzdem stattfindet. Die Inkubation beträgt 14 Tage, in denen ich mich nicht krank fühle und dennoch das Virus weitergeben kann. Das Risiko, einem anderen Menschen, nachhaltig zu schaden, ist einfach zu groß.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, Einsicht und Zuversicht. Achtet eure Mitmenschen.

© Marion Decker

Autor: Marion

Ich bin 1969 geboren und schreibe nun schon eine ganze Weile. Meine Gedanken in Worte zu fassen scheint mir eine Notwendigkeit, die zu unterlassen, mich schlicht unvergnüglich stimmt. Darüberhinaus betreue ich Klientinnen mit persönlichen Problemen in ihrem Bestreben sich weiterzuentwickeln. Also eigentlich ganz ähnlich wie ich selbst.

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