Alle Jahre wieder, die Mär vom Lichterfest

Jedes Jahr um diese Zeit zieht der Irrglaube durchs Netz, unsere schönen Traditionen würden unterwandert. Wir würden aus reiner Freundlichkeit, den Menschen gegenüber, die wir eingeladen haben Asyl bei uns zu finden, St. Martin in ein Lichterfest verwandeln und die Weihnachtsmärkte in Wintermärkte umtaufen. Davon abgesehen, dass mir gänzlich unklar ist, was daran so schlimm wäre, ist es Unsinn. Selbst wenn es in diesem Jahr von Wolfgang Bosbach, süffisant lächelnd verbreitet wird, ist es Quatsch, weil das niemand von uns verlangt. Was haben wir denn eigentlich für wertvolle Traditionen, auf die wir so stolz sein können? Auf welche Werte können wir uns verlässlich berufen? Goethe, Schiller, Beethoven und Hölderlin sind tot, einzig die literarische Welt erinnert sich an sie. Wir begingen einen Völkermord, der seines Gleichen sucht und schauen heute mehr oder weniger verwirrt, auf Menschen in unserem Land, die sentimental unglücklich verquert, sich nach diesen alten Zeiten zurückzusehnen scheinen, wie es uns die Wahlergebnisse im Osten des Landes beweisen. Wir laufen mit geschlossenen Augen durch die Saarbrücker Bahnhofstraße, weil wir das ganze bettelnde Gesocks nicht sehen möchten. Unsere Gastfreundlichkeit zeigen wir einzig in der Vorweihnachtszeit, wenn uns so schön warm ums Herz wird. Ja es gibt schon viel Elend in der Welt. Wir latschen zu Primark und ersteigern dort zu Dumpingpreisen Klamotten, die nur unter schlimmsten Bedingungen, in Bangladesch hergestellt sein können, hoch lebe die Eitelkeit, die wir bei Instagram zur Schau stellen dürfen. Wir verkaufen Waffen in Kriegsgebiete und nennen das Konfliktlösung, hauptsache der Rubel rollt.

Wir zahlen 1000 € für ein nigerianisches Kind und missachten die Tatsache, dass es aus einer Gebärfabrik stammt, in die seine minderjährige Mutter veschleppt und dann vergewaltigt wurde. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände dort, vertreiben die Menschen. Sie landen in Libyen, wo die medizinische Versorgung fehlt und sie elendig verrecken. Es sind mittlerweile mehr Menschen in der Sahara vergraben, als im Mittelmeer ertrunken. Weil man die Namen der Menschen nicht kennt, werden ihre Grabsteine mit Nummern versehen. Sie enden als Nummer, als eine Zahl, das ist alles was sie wert waren. Afrika ist ein gebeuteltes Land. Die gesamte afrikanische Geschichte, ist durchtränkt von Ausbeutung. Zuerst wurden sie als Wilde betrachtet, man missionierte und zivilisierte sie. Danach wurden sie versklavt und nach Übersee verschifft, wo sie auf Baumwollfeldern oder als Hausangestellte arbeiteten. In den 1960 er Jahren wurde der ganze Kontinent durchgeimpft, angeblich aus humanitären Gründen. In den 1980 er Jahren, brach dort die Immunschwäche HIV aus, die dann zu uns rüberschwappte. Kinder und Jugendliche haben die Wahl, sich zu bewaffnen und am Bürgerkrieg teizunehmen, oder unter schlechtesten Bedingungen in Minen Kobalt zu schürfen, damit wir in unsere Handys quatschen können. Auf Vergnügungsreisen, wie Safaris erschießt man ihre Tiere und zeigt sich voller Stolz damit im Netz. Elefanten liegen verblutend in der Steppe, weil man ihnen die Stoßzähne rausgeschnitten hat.

Im letzen Jahr rief die Bundesregierung, das Program „Compact with Afrika“ ins Leben, um die G20 Staaten zu Investitionen zu bewegen. Die Bundesregierung bezeichnete ihr Vorhaben als unterstützende wirtschaftliche Aufbauhilfe, ich nenne es modernen Kolonialismus. Die Strukturen Afrikas sind undurchsichtig, sie bestehen aus der Armut afrikanischer Massen, einer kleinen korrupten Elite, multinationalen Konzernen und gierigen Politikern. Tom Burgis, der drei Jahre als Auslandskorrespondet in Afrika arbeitete, beschreibt in seinem Buch „Der Fluch des Reichtums. Warlords, Konzerne, Schmuggler und Plünderer Afrikas“ auf eindrucksvolle Weise, wie wir uns alle an der Ausbeutung beteiligen. Er spricht von der ölverseuchten Heimat der Ölindustrie Nigerias. Von den rohstoffreichen Schlachtfeldern des östlichen Kongos, von den Eisenerzen in Guinea. Geschäftsleute unterstützten in den 1990 er Jahren, den Milizenführer Kongos, mit geliehenen 20 Mio Dollar und erhielten im Gegenzug, lukrative Rohstoffverträge. Angolas Ölvorkommen wird durch China abgesaugt und unsere Banken investieren in die miesen Geschäfte und bereichern mit den Gewinnen unsere Rentenfonds. Mc Kinsey (Unternehmensberatung) ermittelte, dass weltweit 2/3 der ärmsten Menschen auf dieser Erde, in Ländern leben, deren Wirtschaft durch Öl, Gas und Mineralien dominiert wird. Die Ärmsten leben in reichen Ländern und haben nichts davon, ist das verständlich?

Ich erinnere mich an die ganzen Stimmungsmachenden Postings, die uns weiß machen wollten, dass unsere Regierung dafür Sorge trägt, dass wir durch afrikanische Menschen unterwandert würden. An die Postings, die uns darauf aufmerksam machen wollten, dass sich junge durchtrainierte afrikanische Männer in unserem Land aufhalten, die nur zu faul zum arbeiten sind. Die hier einzig Asyl suchen, weil sie uns die Frauen wegnehmen wollen. All die Postings, die vorgaben wahr zu sein und so fleißig von weißen Singlemännern geteilt wurden. Es wird Zeit euch zu sagen, dass ihr dumm seid, ungebildet, desinteressiert, ignorant, zu faul um selbst zu denken. Dieses ewige kindische, ungeprüfte Nachplappern irgendwelcher Stimmungsmacher macht mich wütend.

Marion Decker

Respekt

Meinung versus Stimmungsmache.

Meine Wahrnehmung fokussiert sich erschrocken auf die Tatsache, dass ich mich von großmäuligen Besserwissern umgeben fühle, die unsere schöne Sprache einzig dazu zu nutzen wissen, verbal um sich zu schlagen. Wir haben es weit gebracht im Land der Dichter und Denker. Ich erinnere mich daran, wie ich in den 1980er-Jahren, mit 20 anderen Punks, am Düsseldorfer Hauptbahnhof stand und auf die angekündigten Dortmunder Skinheads wartete, um Glatzen zu klatschen. Wir wurden von höflichen Polizisten aufgefordert, den Bahnhof zu verlassen und unserer Wege zu gehen. Daraufhin schimpfte ich auf den „Rechts-Staat“ im Allgemeinen und auf den Altkanzler Kohl im Besonderen und landete für die nächsten 8 Stunden in Polizeigewahrsam, um meine Meinung zu überdenken.

Einige von euch nennen mich heutzutage problemlos links versiffte Gutmensch Schlampe. Andrea Roth darf per Gerichtsbeschluss auf dumme Fotze reduziert werden. Dunja Halali ist uns bekannt als Hack Fresse, die Lügenpresse verbreitet. Mutti Merkel befindet sich in Neuland, wo sie sich nicht so gut auskennt. Flinten Uschi hat keine Ahnung von der Bundeswehr. Die Greta ist eine behinderte vorlaute Göre und die Nahles hat wieder rumgeprollt.

Wir dürfen Höcke jetzt offiziell als Faschisten bezeichnen, aber was bringt uns das, der quatscht seinen fremdenfeindlichen, homophoben, geistigen Irrsinn immer noch von deutschen Bühnen und wird beklatscht. Gauland darf den Holocaust ungehindert, als Fliegenschiss in der deutschen Geschichte bezeichnen, erfährt damit eine Aufmerksamkeit, die ihm nicht zusteht und vermiest mir durch seine bloße Anwesenheit, in zahlreichen politischen Talkshows den Abend.

Das waren noch Zeiten, als in den 1990er-Jahren eine alte Dame gerichtlich erwirkte, dass das Wort Altweibersommer aus der deutschen Sprache gestrichen wurde, weil sie sich mehr oder weniger verständlich diskriminiert fühlte. Heute darf jeder, nahezu ungehindert seine Meinung äußern. Wir sind eine Demokratie und hier herrscht Meinungsfreiheit. Das fällt mir nicht schwer einzusehen, allerdings gefällt mir zunehmend der Ton nicht.

Nun wurden soziale Netzwerke per Gesetzeserlass dazu aufgefordert, Hass, Häme und Hetze zu erkennen und zu eliminieren. Damit geben wir die Verantwortung einfach in andere Hände und sind fein raus.

Ich ärgere mich in ein Magengeschwür hinein, weil die Werte, die wir einmal vertreten haben, mit Füßen getreten werden. Es wird sich damit herausgeredet, dass, die Anonymität im Netz, derer sich viele bedienen, es möglich macht, der Respektlosigkeit freien Lauf zu lassen. 2019 beobachte ich den Höhepunkt der Schimpftiraden, die in diesem Land hauptsächlich Frauen unter der Gürtellinie treffen.

Es werden nach wie vor Hasspostings gegen Minderheiten weitergereicht und bis zu 50.000 x gelikt und geteilt. Irgendwelche Trolle aus der rechten Szene, sitzen den ganzen Tag vor ihrem Bildschirm und teilen, was das Zeug hält. Bis auch endlich der dümmste Bundesbürger glaubt, dass er es bei 50.000 Likes und Teilenden, mit der reinen Wahrheit zu tun haben muss und Klick, bekomme auch ich es in meine Timeline gerotzt.

Irgendwelche russischen und amerikanischen Bots sitzen den ganzen Tag vor ihren Bildschirmen und beeinflussen mit ihren Postings maßgeblich die Stimmung und die Wahlergebnisse in unserem Land und ich sehe unsere Demokratie gefährdet und möchte sie schützen.

Ich steigere mich in meinen Ärger hinein, wenn ich mich frage, wo die Kommissionen sind, die, wenn sie es schon nicht zu verhindern wissen wenigstens aufklären. So wie bei den Rauchern, die dem Staat Millionen an Steuergeldern einbringen. Der Staat versieht Zigarettenschachteln mit grauenhaften Bildchen, die den Raucher zu entwürdigen suchen. Warum nicht unter Hasspostings der Hinweis: „Dies ist antidemokratische Werbung, das Weiterverbreiten kann in unserer Republik schweren Schaden anrichten!“

Ich kann das Gejammer der Leute, die sich beschweren, dass man nicht mehr alles sagen darf, was man denkt, nicht mehr hören, weil es nicht stimmt. Ich laufe innerlich auf Hochtouren, wenn ich lese: „Das wird man doch noch sagen dürfen…“ Na klar darfst du alles sagen, was du willst, aber dann halte es auch aus, wenn du ausgegrenzt wirst!

© Marion Decker

Der Sommer atmet aus

Noch zeigst du uns an milden Tagen,
wozu du gerne fähig bist.
Lässt Schmetterlinge tanzen.
Bis das Licht erloschen ist.

Die warme Luft, die ich verspürte,
weicht unbeirrt dem vollen Mond,
der entschlossen hoflos leuchtet,
bis die Kälte über allem thront.

Die alten Weiber sind gekommen
und bringen Sturm mit aller Macht.
Blätter wehen durch die Lüfte,
in allerschönster Farbenpracht.

Rot, Gelb, Gold und Erden töne
strahlen nun im Wiesengrün,
das satt und saftig leuchtet,
bis die Blumen nicht mehr blüh’n.

Der Morgen wird beherrscht,
von Feuchtigkeit und Nebelschwaden.
Sie verzaubern Spinnennetze,
in der Früh‘, in Wasserperlenfaden.

Die Ernte ist längst eingefahren,
das Vieh wird in den Stall gebracht.
Vögel ziehen in den Süden,
weil der Winter draußen wacht.

Das Ofenfeuer prasselt leise,
ruft knisternd nach Gemütlichkeit.
Frauen wecken ein und kochen Eintopf
und verbreiten schallend Heiterkeit.

Der Wechsel zeigt Vergänglichkeit,
die über allem liegt.
Die Leichtigkeit weicht einer Tiefe,
die im Winter überwiegt.

Ich mag sie, diese bunte, nasse
oftmals trübe, dunkle Zeit.
Du klopfst an, trittst ein
und im Hause wirkt Geborgenheit.

Mein Herz wird warm,
ich träum´mich in den Winterschlaf
und spüre schon die Freude,
die mich im letzten Frühling traf.

© Marion Decker

Halle in Sachsen-Anhalt

Der 27-jährige Neonazi Stephan Balliet erschoss gestern vor einer Synagoge zwei Menschen. Während er auf mehrere Menschen schoss, konnte man ihm im Livestream dabei zusehen und seinen Kommentaren folgen. Er hatte sich das Datum gut überlegt denn gestern war „Jom Kippur“, der Tag der Versöhnung oder das Versöhnungsfest, der höchste jüdische Feiertag. Der gestrige Anschlag grenzt an Perversion, kaltblütig verübt von einem irregeleiteten Einzelgänger, der keine Freundschaften zu pflegen vermochte und sich nach einsamen Allmachtsfantasien spinnend nun auf grausame Weise in Szene gesetzt hat. Zuerst dachte ich, nach Chemnitz nun Halle, dass wir ein echtes Problem in unseren „neuen Bundesländern“ haben, die, wie sich am 2. Oktober wieder zeigte, doch schon 30 Jahre zu uns gehören. Nach ein wenig Recherche stelle ich erschüttert fest, dass wir ein gesamtdeutsches Problem haben.

In ganz Deutschland entwickelt sich wachsender Antisemitismus.

Erst am 2. Juni 2019 wurde der Regierungspräsident Walter Lübcke vor seinem Haus in Kassel hingerichtet. Der Tatverdächtige Stephan E. war seit den 90er-Jahren durch rechtsextreme Straftaten auffällig. Es ist anzunehmen, dass Walter Lübcke erschossen wurde, weil er sich für die Unterbringung von Flüchtlingen einsetzte.

2016 wurden bundesweit 995 Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte registriert.

Die Gruppe „Freital“, zunächst als Bürgerwehr gegründet, verübte im Jahr 2015 Sprengstoffanschläge auf Asylsuchende und ihre Unterstützer. 2018 wurden 8 ihrer Mitglieder schuldig gesprochen, wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung.

Die skurrile Geschichte, des Bundeswehrsoldaten Franco A., der sich als Kriegsflüchtling verkleidet registrieren ließ und Asyl beantragte. Ziel seines durchgeknallten Planes war es rechtsextremistische Anschläge zu verüben, darunter auch auf Heiko Maas und sie syrischen Flüchtlingen anzuhängen. Er wurde 2017 festgenommen.

Die Mordserie der Terrororganisation „Nationalsozialistischer Untergrund“ NSU. Die Neonazis Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos verübten zwischen 2000 und 2007 Sprengstoffanschläge und erschossen 9 Migranten und 1 Polizistin und blieben 13 Jahre unerkannt. Nach einem missglückten Banküberfall 2011 nahmen sich beide das Leben und entzogen sich ihrer Verantwortung. Beate Zschäpe wurde 2018 als Mitwisserin und Mitplanerin zu lebenslanger Haft verurteilt.

Brandanschläge und Überfälle durch rechtsextreme Gewalt erreichten Anfang der 90er-Jahre ihren traurigen Höhepunkt. Bei den Ausschreitungen wurden immer wieder Asylsuchende und Ausländer verletzt, wie bei dem Pogrom „Rostock-Lichtenhagen“ 1992.

In Mölln starben 1992, 2 zehn und 14-jährige Mädchen und deren Großmutter, weil Neonazis Brandsätze auf das Haus geworfen hatten. In Solingen starben 1993 auf die gleiche Art fünf Frauen und Mädchen mit türkischer Migrationsgeschichte.

Erinnert sich eigentlich noch jemand an Amadeu António Kiowa aus Angola? Er wurde 1990 von mehreren Neonazis durch die Straßen gejagt, brutal zusammengeschlagen und sie sprangen mit ihren Springerstiefeln auf seinen Kopf, obwohl er sich schon längst nicht mehr rührte.

Ein Asylgesuch ist die humanitäre Verpflichtung einer Gesellschaft darauf einzugehen. Als Schutzsuchende anzuerkennen, sind laut Art. 1 der Genfer UN Flüchtlingskonventionen von 1951, Menschen, die sich außerhalb ihres Heimatlandes befinden und berechtigte Furcht haben müssen, wegen ihrer Religion, Nationalität, politischen Gesinnung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, in ihrem Heimatland verfolgt zu werden.

Krieg, Ohnmacht, Verfolgung, Todesangst, Verlust, Vertreibung, Armut Vergewaltigung, Mord, Horror

Waffenexporte. Trotz des von der Bundesregierung, gegen Saudi-Arabien verhängten Exportstopps von Waffen, wurden in 2018 Waffenexporte im Wert von 416 Mio. € genehmigt. Auch für Algerien und Pakistan wurden von der Bundesregierung 2018 Waffenexporte im dreistelligen Millionenbereich genehmigt, dadurch geraten Demokratiebewegungen besorgniserregend unter Druck. Die Hälfte aller US-Waffenexporte landet im Nahen Osten, dicht gefolgt von Frankreich, Russland und China. Donald Trump verabschiedet sich nun in aller Seelenruhe aus dem am Boden liegenden ausgebluteten Syrien und überlässt problemlos Erdoğan das Feld, der in den Kampf gegen seine verhassten Feinde, die Kurden zieht.

Ich fühle mich hilflos, machtlos und ohnmächtig in Anbetracht der Vielzahl der Ungerechtigkeiten und weltweiten Zusammenhänge. Wir unterstützen die Machthaber dieser Welt, um gegen Minderheiten vorzugehen. Wir profitieren wirtschaftlich von unserer Rüstungsindustrie, dadurch werden Menschen vertrieben. Diese Menschen suchen bei uns Schutz, aber wir können sie nicht schützen denn einige von ihnen werden durch irregeleitete Terrorisierende deutscher Herkunft bedroht und getötet. Ich verstehe das einfach nicht. Ich bin angewidert von den perfiden Ideen, von rechtem Gedankengut. Hier sehnen Menschen sich ernsthaft nach einer Diktatur, wie wir sie hatten, ignorieren unsere geschichtliche und gesellschaftliche Verantwortung, setzen sich knallhart über unsere Gesetze hinweg und die Hälfte der europäischen Machthaber leben es ihnen vor, weil sie sich nach einer Oligarchie sehnen. Wir haben wirklich Probleme und mir ist schlecht.

© Marion Decker

Was wirklich wichtig ist

Ich surfe bei Zeiten durchs Netz und schaue, was meine Freunde, Bekannten und auch die vielen Menschen, die ich gar nicht kenne, die dennoch mein Interesse geweckt haben, so machen. So sehe ich euch fast täglich, nicht müde werdend gegen allerlei Hetzpostings aufbegehrend, mutig dagegen haltend, sich aufreibend in der Argumentation gegen die, die sich augenscheinlich nach einem anderen politischen System, als unserem demokratischen sehnen. Ich finde es immer noch richtig in den Diskurs zu gehen, mit denen, die die Verantwortung für ihr eigenes Leben abgeben, um die Schuld bei anderen zu finden und ihre Wut hinaus zu grölen. Ich finde es immer noch richtig, sich den Leugnern der Klimakatastrophe entgegenzustellen und Rückrat zu zeigen. Ich selbst bin müde geworden und fühle mich zunehmend unwohl, in diesem Kampf, bei dem es keine Gewinner gibt. Für mich ist es kaum vorstellbar, dass alle diese Menschen, die deutlich erkennbare Unwahrheiten teilen, selbst glauben, dass sie der Wahrheitsfindung dienen. In der folgenden Diskussion dann, beharren sie einfach stur weiter darauf, werden am Ende frech und erreichen ein beschämendes Niveau, das ich eher in einem Kindergarten erwarten würde. Ich bin müde geworden, Menschen dabei zuzuschauen, wie sie die Verantwortung für ihr eigenes Leben, bei anderen suchen, bei unseren Politikern, bei Greta, bei Asylsuchenden … Die den Disput ihres eigenen Lebens, ihre stete Unzufriedenheit und eigene Belanglosigkeit, jeden Tag, im Wettstreit mit anderen nach außen tragen.

Der Sommer atmet aus und ich beginne mich zu fragen, was wirklich wichtig ist und finde ein paar Antworten, die zuvor nicht so präsent waren. Mir ist enorm wichtig, dass ich den Menschen, die mir nahe stehen vertrauen kann. Mir ist wichtig, mich durch meine Sprache sauber auszudrücken und drohende Missverständnisse zu klären. Ich habe immer noch ein großes Bedürfnis nach Harmonie. Ich schätze Gleichklang und Sicherheit. Gesundheit ist mir wichtig, weil ich merke, wie mit ihrem Schwinden meine Lebensqualität abnimmt. Gute Beziehungen, zu den wenigen Menschen, von denen ich mich umgeben sehe sind mir sehr wichtig. Dann noch ein wenig Musik, etwas Gesang, ein bisschen Malerei und Handwerk und fruchtbare Gedanken. All das ist so wichtig für mich wie ein gutes Essen, ein schmackhafter Wein, küssen, Liebe, Umarmungen, Zuhören und gehört werden.

Marion Decker

Die üble Nachrede

Ich kenne niemanden, der davon verschont bleibt. Eines Tages erfährst du etwas über dich, was du bis zu dem Zeitpunkt selbst nicht über dich wusstest. Plötzlich schwirren Gerüchte über dich durch die Welt, die in dir das Bedürfnis entstehen lassen, deine Umwelt über dich aufzuklären, dass es nicht wahr ist, nicht stimmt, du so nicht bist wie behauptet wird. Als das soziale Wesen, das du eben bist, wünschst du dir gesellschaftliche Akzeptanz, Wertschätzung und Anerkennung. Du erlebst es als verletzend, wenn man Dinge über dich erzählt, die nicht deiner Wirklichkeit entsprechen. Diese Form der Geringschätzung kennst du aus deiner Jugend, wo es mit dem Beobachten deines Kleidungsstils begann. Du entwickeltest dich mit einem bestimmten Bewusstsein darüber was cool ist, was ankommt und was gar nicht geht. Du bekamst das Ergebnis deines Geschmacks oder dem Einkommen deiner Eltern direkt zu spüren und hattest, dementsprechend mehr oder weniger Freunde. Vielleicht neigst du heute dazu dich anzupassen, um nicht wieder zu missfallen. Die Gerüchte über dich, die dir als Erwachsener begegnen sind, so vielfältig wie verletzend. Nach der letzten Party verachtete man dein Kleid als eines von der Stange, läuft wohl nicht mehr so bei dir und deine Haare hätten auch mal eine neue Färbung gebraucht. Deine Nachbarn halten dich für unfähig deine Kinder zu erziehen, weil sie sonntags ungehalten durch den Garten toben. Deine Entscheidung als Single durch die Welt zu ziehen zeigt einfach, dass du beziehungsunfähig bist. Als deine Partnerin dich verlassen hat, wussten alle, dass du ein egoistischer Drecksack bist und als sie dir das Haus leer geräumt hat, hast du es nicht anders verdient. Du bist einfach nur dumm, wenn du nicht bemerkst, dass dein Partner dich betrügt. Arbeit findest du auch keine, weil du faul bist, du willst gar nicht. Du bist eine Schlampe, eine Nutte, einfach nur dumm, arrogant, ein Gauner und Betrüger und alle haben das gewusst, nur du nicht. So läuft dieses Spiel, das Menschen spielen, die nie erwachsen geworden sind, deren Horizont im Alter eines 14-Jährigen hängen geblieben ist. Diese Menschen geben vor alles über dich zu wissen aber nicht nur über dich, sondern auch über Peter, Inge, Gisela, die Frau Hinz und den Herrn Kunz. Sie brauchen diese Lästereien, weil es sie davon ablenkt ihre eigenen Schwächen, Unzulänglichkeiten und Unfähigkeiten wahrzunehmen. Dein Leben müssen sie einfach in ein Drama verwandeln, weil ihr eigenes so bedeutungslos und nichtig ist. Sie beneiden dich, weil sie sich mit dir messen und du bei ihrem Vergleich einfach besser abschneidest. Sie missgönnen dir alles, was sie nicht haben. Ihre Minderwertigkeit ist so groß, dass sie sich größer und wichtig machen müssen. Und manchmal zerstören sie Existenzen, wie selbstständige Unternehmer aber auch Familien erfahren mussten. Du kannst darüber traurig sein, dich verletzt zurückziehen, dich rechtfertigen, dagegen angehen, das wird nichts ändern. Du wirst diese Menschen nicht ändern. Lerne sie wahrzunehmen wie sie sind, als im Herzen hart, im Geiste arm, unglücklich, unfähig zu tiefer Liebe oder befriedigenden Beziehungen, nicht in der Lage Zufriedenheit zu erlangen und weit entfernt vom Glück. Lerne zu dir zu stehen, dir selbst zu vertrauen, nimm deine Stärken wahr und erkenne deine Schwächen an und nimm es nicht persönlich, es hat nichts mit dir zu tun oder damit wie du wirklich bist, das weiß auch niemand außer dir. Du wirst einzig und allein für ein übles Spiel benutzt. Für mich ist es hilfreich selbst einmal ganz unten gewesen zu sein und darauf zurückzublicken was ich trotzdem alles aus eigener Kraft geschafft habe. Für mich ist es heute unerheblich, wenn andere falsches über mich denken denn nur ich kenne meine Beweggründe. Ein guter und sicherer familiärer Hintergrund ist ebenso hilfreich wie der ehrliche Austausch in Beziehungen und Freundschaften, um das Spiel nicht weiter mitzuspielen.

© Marion Decker

Der Hund

Du bist, das am wenigsten verstandene Wesen, unterschätzt und oftmals verachtet. Der räudige Köter, der lästige Kläffer, der bedrohliche Beißer.

Wer sich tief auf dich einlässt und dein Verhalten zu lesen vermag, dem schenkst du ein lebenswertes Leben, das erfüllt ist von deiner Treue, Loyalität und Ehrlichkeit. Niemanden betrachten wir so zwiespältig wie dich, entweder wir lieben dich oder wir hassen dich. Dein Ursprung ist im Wolf beheimatet, den der Eine sentimental verklärt als einsamen Jäger, als zähen Kämpfer verehrt. Der Andere sieht in ihm das anpassungsfähige überaus soziale Tier, das stets dem Wohle der Allgemeinheit dient. So vielfältig wie wir Menschen sind, so vielzählig sind mittlerweile die Arten, die wir aus dir gezüchtet haben. Bei einigen Arten war uns das Aussehen wichtiger als deine Gesundheit und so wurde deine Hüfte nach unten gezüchtet damit du von der Seite besonders gut zur Geltung kommst. Bei anderen Arten züchteten wir den Unterkiefer nach vorne, damit du dich problemlos in ein Bullenmaul verbeißen kannst. Wir kreuzten alles Mögliche und kreierten aus deinem Ursprung Rassen, die während der Apartheid dunkelhäutige Menschen durch Südafrikas Straßen jagten. Wir entwickelten Hunde, die sich besonders gut zum Kampf eignen, weil ihre Toleranzgrenze sehr niedrig ist und sich gegenseitig schwer verletzen. Am Ende machen wir aus dir Monster, geben dir die Schuld und verbreiten Schreckensnachrichten über dich, die vielen Leuten Angst machen. Sie verurteilen dich schon bevor sie dir begegnen. Wir benutzen deine Freundin als Geburtsmaschine, sie lebt eingepfercht auf engstem Raum. Ihre Vorder- und Hinterläufe sind verkümmert, weil ihre einzige Aufgabe ist Nachwuchs zu generieren, um ihren Halter zu bereichern. Euer Nachwuchs wird dann zunehmend im Internet angeboten und von Menschen gekauft, die nicht verstehen wollen, dass du keine Ware bist. Wenn wir sehr grob zu dir waren, weil wir uns einfach nicht die Mühe machten dein Wesen zu erkennen, kann es sein, dass wir dich töten lassen. Wenn wir keine Zeit mehr für dich haben, weil wir die Entwicklung unserer Lebensumstände falsch eingeschätzt haben, binden wir dich an Autobahnraststätten fest oder werfen dich in Mülltonnen und gehen weg, als hätte es dich nie gegeben. Manche Menschen hegen so viel Groll gegen dich, dass sie Köder auslegen, die mit Nägeln, Rasierklingen oder Gift präpariert sind, an denen du elendig zugrunde gehst, wenn du sie frisst. Manchmal landest du auch unter einem Tannenbaum und sollst das Leben deines zukünftigen Besitzers bereichern. Es gibt Menschen, die binden dir Schleifchen in die Haare, ziehen dir Mäntelchen an, verhätscheln dich und tragen dich durch die Gegend, wie ein Objekt.

Für mich bist du einfach Alles, der treueste Begleiter, den ich mir je hätte wünschen können. Du schmiegst dich zärtlich an mich und bittest mich freundlich dich wahrzunehmen. Du liebst meine zärtlichen Berührungen, wenn ich dich streichel oder dein schönes Fell pflege. Es ist dir egal wie ich aussehe oder rieche, es reicht dir völlig, dass ich bin. Du erwartest nichts von mir, sondern wartest einfach ab, was als Nächstes passiert. Wenn du mit offenem Maul durch die Gegend tollst, spüre ich deine pure Lebensfreude und bin genauso glücklich wie du. Wenn du dich übertreibst und ich dich schützen muss, wirfst du dich auf den Boden und zeigst mir unterwürfig deine Flanke. Wir beide wissen, dass du dich furchtbar aufregen und reinsteigern kannst, aber ein kurzes „Sssst…“ von mir, bringt dich sofort wieder runter. Du schüttelst dich kurz und wirfst die angestaute Energie einfach von dir ab. Sind wir uns uneinig, ob du das Eichhörnchen jagst oder nicht, bist du mir nicht böse, wenn ich es unterbinde. Nie trägst du mir nach, was ich versäume. Manchmal wird mir dein Buhlen zu viel, dann gehst du einfach wieder und versuchst es später noch mal. Obwohl du so stark bist, kennst du auch Angst und bellst, bis die Gefahr vorbei ist. Du beschützt mich und jeden, den du als Teil deines Rudels anerkennst. Wenn du krank bist, zeigst du es mir nicht, weil deine Herkunft und das Rudel, aus dem du stammst, die schwächsten Mitglieder aufforderte zu gehen, aber ich spüre es. Du kannst zutiefst trauern, wenn du einen Freund verlierst und tagelang lethargisch in einer Ecke verweilen, einmal sah ich Tränen in deinen Augen. In unbeobachteten Momenten klaust du Essen vom Tisch, nicht weil du hungrig bist, sondern weil dein Notfallprogramm dir sagt, dass auch magere Zeiten kommen werden. Dein ganz eigener Geruch lässt mich erkennen wie es dir geht. Während der Geschlechtsreife riechst du scharf, wie früher die Jungs in der Umkleidekabine, bist du krank riechst du käsig und bei Regen muffig.

Du bist pure Energie, reine Emotion, immer aufrichtig, mutig, kraftvoll, geduldig, stolz und verlässlich. Ganz egal, ob du groß bist oder klein, glatt oder struppig, dick oder dünn. Du bist mein Held, der beste Freund, den ich je haben werde.

© Marion Decker

Lasst uns diese Welt retten

Einige Monate nachdem die Schwedin Greta eine Jugendbewegung in Gang brachte, wird der Ton im Netz gegen sie immer rauer. Greta erreichte mit ihrem Aufruf zu Schulstreiks, dass sich etliche Wissenschaftler hinter sie stellten, um die Gunst der Stunde zu nutzen, uns zu erklären, wie schief unsere Lage tatsächlich ist. Wir haben heute die Möglichkeit, sofern wir dazu bereit sind, offenen Auges und Ohres zu erkennen, was wir seit Jahrzehnten falsch machen und was wir mit unserem Verhalten bisher erreicht haben. Wir dürfen nun erkennen, dass wir Weltmeister im Mülltrennen sind und guten Gewissens die Schuld bei anderen suchen. In Wirklichkeit sind wir mit unserer Coffe to go und Online Handel Nutzungs- mentalität auch Europameister im Ansammeln von Verpackungsmüll. Jeder von uns deutschen „Der grüne Punkt“ Sammler hat im Jahr 2015, 25 kg Plastikmüll entsorgt. Wir werfen unseren Verpackungsmüll in gelbe Säcke denn wer will das schon in seinem Garten haben. Man lässt uns wissen, dass dieser Müll recykelt wird aber die Anlagen zum recyleln von Plastik sind sehr teuer, daher schicken wir seit Jahren 65% dieser „Wertstoffe“ nach China und geben ihnen Geld für die Entsorgung. Seit 2018 möchten die Chinesen unseren Müll nicht mehr aufnehmen, weshalb wir seit 2018 in Malaysia entsorgen. Malaysia hat diesen Müll eine zeitlang in leerstehenden Fabrikhallen gelagert doch nun wird es dort eng. Sie lagern diesen Müll jetzt auf offenen Deponien und wir können in den Medien, malaysischen Kindern dabei zusehen, wie sie darin herum wühlen. Stellenweise verbrennen sie das Plastik auch offen, was die Bevölkerung zunehmen an Atemwegserkrankungen leiden lässt. Anderorts werden große Teile dieses Mülls ins Meer geschwemmt. Der Müll lässt die Bilder von Walen entstehen, die bis oben hin voll mit Plastik gestrandet sind und zu einem Aufschrei in deutschen Wohnzimmern führen. Seit August 2019 schickt Malaysia den Müll an die Erzeugerländer zurück, die weltweit vertreten sind.

Wir möchten aus der Kernkraft aussteigen, von der wir einst glaubten, sie sei die sauberste Art der Energiegewinnung denn die Entsorgung der Restbestände überfordert uns. Auf die neuen Lösungen zur Energiegewinnung können wir uns nicht so recht einigen und weil der Strom eben nicht einfach aus der Steckdose kommt, kaufen wir unseren Restbedarf in Frankreich, wo er in den dortigen Atomreaktoren hergestellt wird, wir denken bis zur Grenze. Das Festhalten an der Zeitumstellung wird den Rest schon richten.

Wir bestehen auf unserer täglichen Portion Fleisch und da wir die vielen Menschen in unserem Land, die wenig Geld haben auch damit beglücken wollen, akzeptieren wir Massentierhaltung. Die Massen an Tieren, die wir unmöglich alle essen können brauchen Futter und so holzen wir Wälder ab um Platz zu schaffen, um Mais, Reis und Soja anzubauen. Sehr viele Tiere produzieren Methan, das wir eigentlich zur Energiegewinnung nutzen könnten aber wir sehen dabei zu wie es sich verflüchtigt und zu CO2 wird.

Wir zeigen auf China weil sie den Weltmarkt mit Elektroartikeln überschwemmen und verlängern alle 2 Jahre unseren Mobilfunkvertrag weil wir dann ein krachneues Handy bekommen.

Wir nehmen hin, dass ein deutscher Chemiekonzern den größten Agrarriesen aufkauft, um auch weiterhin Bauern weltweit mit genmanipuliertem Saatgut zu versorgen. Wir sehen, dass das Pestizid und Herbizid Glyphosat für weltweites Insektensterben verantwortlich ist und freuen uns, dass es in vielen Ländern verboten wurde, deshalb wird Glyphosat jetzt unter anderem Namen weiterverkauft.

Wir wollen zu jeder Zeit alles essen daher kaufen wir auch Bananen aus Costa Rica, Melonen aus Südamerika, Bohnen aus Kenia und Jaffa Orangen aus Israel, ohne Rücksicht auf die Transportwege, hauptsache bunt und vielfältig. Wir unterstützen Aldi, Lidl, Rewe und Co billiges stark Pestizidbelastetes Obst und Gemüse aus Spanien anzubieten und riskieren unsere Gesundheit.

In der Arktis brennt ein riesiges Feuer, das sich durch die Torfböden frisst. Dabei entstand im Juni ein gemessener CO2 Ausstoß, wie ihn Schweden in einem Jahr erzeugt. Kanadische und sibirische Wälder brennen, unsere eigenen Wälder sind in extrem schlechtem Zustand und werden von Borkenkäfern heimgesucht. Die Welt brennt und versinkt in Tsunamis und schmelzendem Eis. Etliche Tiere verlieren ihren Lebensraum und sind vom Aussterben bedroht. Die Weltbevölkerung explodiert und will essen.

An dieser Stelle kommt wieder die Schülerin Greta ins Spiel. Sie hat sich erlaubt uns auf all das hinzuweisen und eigentlich müssten wir ihr dankbar sein, dass sie uns die Augen geöffnet hat, denn nun nachdem so viele Menschen diese Erkenntnisse gewinnen konnten, können wir handeln. Stattdessen schreiben wir 2019 die Geschichte der Leugner, der Anfeinder, der Bagatellisierer und Schönredner. Ein nicht unerheblicher Teil meiner Mitmenschen feindet Greta Thunberg an und scheint sich von ihr bedroht zu fühlen. Sie fühlen sich bedroht von dem Wind der Veränderung, der plötzlich weht, haben Angst ihren Status Quo aufgeben zu müssen, ihre Komfortzone zu verlassen, Abstriche in Kauf zu nehmen und die Macht der Gewohnheit ziehen zu lassen. Spott und Häme durchzieht das Netz, man beschimpft sie, zum Teil aufs Übelste. Plötzlich ist ein Pulk von selbsternannten Wissenschaftlern entstanden, die in ihrer grenzenlosen Dummheit versuchen, jede von ihr, noch so nachvollziehbare These zu entwerten und zu entkräften.

Und ich frage mich, wo bin ich hier eigentlich gelandet?

Marion Decker

Woher kommt dieser ganze Hass?

Hass ist das scharfe, anhaltende Gefühl der Antipathie, es entsteht aus dem tiefen Gefühl erlittener Verletzungen.

Hass ist ein tief sitzendes Gefühl, das uns erlaubt destruktiv zu sein. Es lässt uns glauben, dass wir im recht sind. Es verhindert unsere soziale Fähigkeit uns selbst infrage zu stellen und nimmt uns unser Mitgefühl. Hass lässt uns innerlich glühen und erweckt in uns ein Gefühl der Lebendigkeit, er gibt unserem Leben einen Sinn, den wir vorher nicht kannten. Er gibt unserem Dasein eine Berechtigung, die wir zuvor nicht spürten. Wir sind nun auch jemand, der eine Meinung vertritt, die wir laut nach außen kreischen können und erleben dadurch eine Selbstwirksamkeit, die das frustrierende Gefühl unserer eigentlichen Ohnmacht unterdrückt. Hass erhebt uns über andere, macht uns groß und lässt uns das zermürbende Gefühl unserer eigenen Bedeutungslosigkeit verlieren. Er verbindet uns mit denen, die genauso denken wie wir und übertönt unser Gefühl von Leere und Einsamkeit. Hass macht hässlich, wenn wir unseren augenscheinlichen Gegnern, mit verzerrten Gesichtern unsere Wahrheit entgegenspucken. Er gibt uns die Macht problemlos alle Andersdenkenden, als dumm zu bezeichnen. Hass nährt sich aus der Quelle unseres übergroßen Egos, der Teil von uns, der bedenkenlos will. Er nimmt uns unsere Beherrschung und unsere Hemmungen, lässt uns nach vorne preschen und angreifen. Hass ist laut, intensiv, fordernd und kraftvoll, ein starker Motivator. Er gibt uns das Gefühl von Größe und Kraft. Hass ist das Gegenteil von Liebe.

Hass ist ein gesellschaftliches Problem, das sich durch unsere Politik verstärkt hat. Er wird gelebt, durch Menschen, die einfach denken und einfache Lösungen für ihre Probleme suchen. So unsinnig und gefährlich mir persönlich deren Aufbegehren auch erscheinen mag, fühlen sie sich abgehängt, falsch behandelt und unverstanden. Sie suchen jemanden, der die Verantwortung für ihr Dilemma übernimmt, das macht aber niemand und so finden sie Feindbilder. Hass ist auch ein erzieherisches Problem, weil unser Wertesystem nur Leistung belohnt. Das Vermitteln echter Werte haben wir verlernt. Wir haben nicht gelernt, dem anderen Anerkennung und Respekt zu zollen, einfach dafür, dass er ist. Wir haben nicht gelernt den anderen wegen seiner Selbst zu lieben, sondern dafür, dass er unsere Bedingungen erfüllt. Unsere Gesellschaft ist durchtränkt mit Lieblosigkeit und nun werden die Menschen, die das lautstark einfordern täglich mehr.

© Marion Decker

Frankfurt in Hessen

Die Hinrichtung des Kassler-Regierungspräsidenten Walter Lübcke schwebt noch über uns wie das Damoklesschwert.

Die Schüsse auf einen jungen Eritreer in Wächtersbach, mit anschließendem Suizid des Täters, der sein Opfer aus fremdenfeindlichen Motiven ausgesucht hatte, sind noch nicht verhallt.

Gestern Morgen stieß ein 40-jähriger, in der Schweiz lebender Eritreer, der selbst Vater von drei Kindern ist, eine Frau und ihren 8-jährigen Sohn auf die Gleise eines einfahrenden Zuges. Die Mutter konnte sich retten, ihr Sohn starb. Die Tat ist der zweite Todesstoß nach Voerde, wo ein 28-jähriger, polizeibekannter in Deutschland lebender Serbe bereits eine 34-jährige Frau und Mutter vor einen Zug stieß.

Es ist unbestritten grausam einen anderen Menschen auf diese oder eine andere Weise, oder überhaupt zu töten. Wir reagieren mit Unverständnis, Traurigkeit, Mitgefühl für die Opfer, mit Wut, Hass und Zorn und das alles zurecht. Es zeigt unsere Fähigkeit Anteil zu nehmen uns zu solidarisieren aber nicht nur das.

Da ploppen sie wieder hoch, die Kommentare derer, die sich einfach nur bedeckt gehalten hatten, vergleichbar mit Schläfern, die warten, bis sie Anweisung bekommen, wo und wann sie sich für die vermeintlich gute Sache in die Luft sprengen dürfen. Ich spreche von den fanatischen Tatsachenverdrehern. Die Kommentare derer, die sich eine Weile versteckt hielten, sich vor gesellschaftlicher Ausgrenzung fürchteten, weil die Stimmen der Vernunft und der Besonnenheit lauter waren. Die Kommentare derer, die gestern Morgen aus dem Schlaf erwacht sind, um ihren ganz eigenen Terror zu verbreiten, so als haben sie nur auf das richtige Unglück gewartet. Seit gestern Morgen weht wieder der Blutrausch durchs Netz.

Ich lese über das treu-doofe Verhalten des derart dummen deutschen Volkes, das sich von dem Volks-vernichtenden Merkel-Regime in den wohlverdienten Abgrund führen lässt, über blauäugige Gutmenschen, denen die Fähigkeit abhandengekommen ist, die rohe Gewalt, die hier reinkommt wahrzunehmen. Man möchte mir, die sich allein durch die Fähigkeit zu Toleranz und Offenheit angesprochen fühlt, vermitteln, dass ich dumm bin, voller unsinnigem Vertrauen, hörig, labil lenkbar, benutzbar und blind. Wenn ich mich von all den Anschuldigungen frei mache, dann bleibt wieder einzig dieser fahle Beigeschmack, dass hier Opfer benutzt werden, um für die eigene Sache Stimmung zu machen. Plötzlich sollen in Schwimmbädern Security-Kräfte eingesetzt werden, weil sich „Die feinen Herrschaften“, die wir so zahlreich willkommen hießen, in unserem Land nicht benehmen können. Ich hatte kürzlich noch einen Artikel gelesen, in dem vom Einsatz von Sicherheitskräften in Schwimmbädern die Rede ist, weil unsere deutsche Jugend sich besoffen vom drei Meter Brett in die heillos überfüllten Menschenmengen fallen lässt. Dazu kommen unzählige Kommentare von Menschen, die unserer/ihrer eigenen Sprache nicht mächtig sind.

Ich bin erschrocken und unschön bewegt, sowohl darüber, dass Menschen aus nie zu verstehenden Gründen, ihr Leben lassen mussten, als auch über meine Mitmenschen, die sich jetzt wieder nach einer Ordnung sehnen, die trennt statt verbindet und manchmal die Rechtsstaatlichkeit verlässt und den demokratischen Grundgedanken vergisst. Das Vertrauen ist wieder entschwunden. Der Traum vom Sommermärchen 2006 unendlich weit, als wir alle gemeinsam, egal welche Hautfarbe, egal welche politische oder religiöse Motivation, uns in die Arme fielen, um unseren Sieg der Herzen zu feiern und die Erste echte Toleranz aufflackerte…

„Ein Hoch auf uns, auf dieses Leben. Auf den Moment der Ewigkeit.“

Andreas Bourani

© Marion Decker

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