Ein neues Jahr fand seinen Anfang

Das neue Jahr ist gerade 7 Tage alt und die Vielzahl der Ereignisse erschrecken mich und lassen für die kommenden 358 Tage wenig gutes erahnen.

Mein erstes einschneidende Erlebnis bescherte mir der Chorleiter eines Kinderchors beim WDR. Ich sah bestürzt dabei zu, wie 6-11 jährige Kinder voller Inbrunst darüber sangen, dass sie ihre Oma für ne alte Umweltsau halten. Ich erinnerte mich sofort an meine eigene Oma, der ich einen solchen Vorwurf nie gemacht hätte. Meiner Oma war es wichtig mir die richtigen Werte zu vermitteln, Respekt, Mitgefühl und Dankbarkeit. Bei genauerer Betrachtung, ein paar Zahlen zusammenzählend, bemerkte ich, dass die Kinder meine Oma gar nicht meinten, sondern eher mich, denn ich könnte meinem Alter entsprechend tatsächlich ihre Oma sein. Ich habe das Bedürfnis diesen Vorwurf zurückzuweisen, weil ich keine Umweltsau bin. Mir ist bewusst, dass es einige Umweltsäue gibt, wie die unzähligen Autoreifen im Warndtwald zeigen, oder der Müll, der stets vor unserer Haustüre, aus dem fahrenden Auto geworfen wird, aber ich bin mir sehr sicher, dass da keine Oma dabei ist. Der Intendant rechtfertigte sich auf Druck der Öffentlichkeit damit, dass Satire weh tun muss. Weil ich mich in der Literatur ein wenig auskenne, weiß ich, dass es gute Satiren gibt, die mit Witz, Ironie und Spott Kritik üben, an Menschen oder Zuständen, die sich auf den ersten Blick nicht ändern lassen, gerade in der Politik, aber bei Omas?

Als das Krefelder Affenhaus brannte, war ich so getroffen, wie viele meiner Mitmenschen. 30 Tiere verbrannten elendig und qualvoll. Als bekennende Schuldige meldete sich eine Mutter, mit ihren beiden erwachsenen Töchtern. Sie hatten an Sylvester, fünf von den seit 2009 in Deutschland verbotenen Himmelslaternen gezündet. Sie befestigten Zettel, mit ihren Wünschen für das kommende Jahr und ließen die Dinger in den Himmel aufsteigen. Diese Geschichte ist an Tragik kaum zu überbieten. Drei Frauen senden ihre Wünsche für ein besseres Jahr in den Äther und schicken damit ein komplettes Affenhaus in den Himmel. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie die drei Frauen sich fühlen müssen. Der Schaden ist nicht zu beheben und nie wieder gut zu machen, wie schrecklich.

In Südtirol fuhr ein junger Einheimischer mit seinem Sportwagen, mit fast 2 Promille in eine Reisegruppe und tötete vier Frauen und drei Männer zwischen 19 und 22 Jahren. Ihn erwarten 8-12 Jahre Haft und auch diese Tragödie ist nicht wieder gut zu machen.

In Baiersbronn brannte der historische Trakt der Traube Tonbach. Die drei Sterne Schwarzwaldstube und das 1 Sterne Restaurant Köhlerstube wurden zerstört. Diese kulinarische Institution, die so viele weitere Sterneköche hervorgebracht hat, wird es in dieser Form nicht mehr geben.

Das australische Desaster hat mich sprachlos gemacht. Seit Oktober brennt ein Gebiet, das bis heute 6 Millionen Hektar Land forderte (so groß wie Bayern), eine halbe Milliarde Tiere und 18 Menschen fielen den Bränden zum Opfer. Die vielen Bilder von halb verbrannten Känguruhs und Pandabären verfolgen mich in Tagträumen. Die Feuerwehrleute vor Ort sagten, dass einfach überall verbrannte Vögel vom Himmel fielen. Sie können nur noch untätig zuschauen, weil sie körperlich am Ende sind und nichts gegen die Flammen ausrichten können. Der eigentliche Höhepunkt des Feuers steht noch bevor und wird Mitte Januar – Februar erwartet. Die unterstützenden Ursachen dieser Apokalypse scheinen vielfältig zu sein. Zum einen seien die Eingeborenen (Aborigines) mit den Bränden anders umgegangen. So sagte der australischer Leiter eines Feuermuseums: „Der Umgang der weißen mit dem australischen Feuer, ist eine lange Geschichte der Arroganz!“ Es habe sich durch die jahrzehntelange Feuerbekämpfung erst Unmengen an Totholz und Laub angesammelt, das die Brände heute so groß und unkontrollierbar werden lässt. Australien sei Spitzenreiter bei der Abholzung in Down Under. Diese kahlen Flächen sorgen dafür, dass die Waldränder durch die heißen Winde schneller austrocknen. Der Klimawandel begünstigt, dass sich Australien um 1 °C erwärmt hat und die Niederschläge werden immer seltener. Australien hat pro Kopf, die höchsten Kohlendioxidemissionswerte und ist weltweit der größte Kohleexporteur. Obwohl im Outback riesige Flächen für Solarenergie, auf ausgedienten Viehweiden entstanden, soll in Queensländ eine der größten neuen Kohleminen des Planeten entstehen. Das australische Staatsoberhaupt, weilt während der nationalen Krise auf den Hawaii-Inseln und ist sich sicher, dass Geld die Welt regiert.

Bei einem gezielten US-Drohnenangriff wurde der iranische Spitzengeneral Qasem Soleimani getötet. Der amerikanische Präsident Donald Trump drohte dem Iran auf Twitter, die USA würde 52 iranische Ziele angreifen, falls der Iran sich für die Tötung des Generals rächen würde. Aus meiner Sicht gleicht das einer Kriegserklärung. Der iranische Präsident Hassan Ruhani twittert zurück: „Bedrohen Sie niemals die iranische Nation!“ Mir bleibt die Spucke weg. Trump bedroht den mittleren Osten via Twitter mit einer Leichtigkeit, mit der viele andere sich per WC von ihrem Durchfall erleichtern. Dieser Mensch ist eine Bürde und weltweite Bedrohung. Seine Mischung aus Dummheit, Ignoranz und Impulsivität ist legendär.

Ihr seht mich bestürzt auf die erste Woche des neuen Jahres zurückblicken. Meine Gefühle sind immer noch bei den Tieren, Menschen, und Hinterbliebenen. Ich fühle mich machtlos und frage mich, wie es noch schlimmer werden könnte. Es kommt mir vor, als säße ich ununterbrochen vor der Tagesschau, die eine Nachricht noch nicht verarbeitet, da folgt schon die Nächste und das in einer Endlosschleife.

Marion Decker

Ein Song zum Thema Klimawandel

Der gute Werner Vogel hat mich mit einem seiner Musikstücke und dem passenden Refrain problemlos dazu inspiriert, das „Gute Stück“ mit weiterem Leben zu füllen. Ich durfte sogar ein wenig mitsingen. Klickt auf den Link und hört mal rein, wie findet ihr es?

www.werner-vogel-music.com/klimawandel

Marion Decker

Lasst uns diese Welt retten

Einige Monate nachdem die Schwedin Greta eine Jugendbewegung in Gang brachte, wird der Ton im Netz gegen sie immer rauer. Greta erreichte mit ihrem Aufruf zu Schulstreiks, dass sich etliche Wissenschaftler hinter sie stellten, um die Gunst der Stunde zu nutzen, uns zu erklären, wie schief unsere Lage tatsächlich ist. Wir haben heute die Möglichkeit, sofern wir dazu bereit sind, offenen Auges und Ohres zu erkennen, was wir seit Jahrzehnten falsch machen und was wir mit unserem Verhalten bisher erreicht haben. Wir dürfen nun erkennen, dass wir Weltmeister im Mülltrennen sind und guten Gewissens die Schuld bei anderen suchen. In Wirklichkeit sind wir mit unserer Coffe to go und Online Handel Nutzungs- mentalität auch Europameister im Ansammeln von Verpackungsmüll. Jeder von uns deutschen „Der grüne Punkt“ Sammler hat im Jahr 2015, 25 kg Plastikmüll entsorgt. Wir werfen unseren Verpackungsmüll in gelbe Säcke denn wer will das schon in seinem Garten haben. Man lässt uns wissen, dass dieser Müll recykelt wird aber die Anlagen zum recyleln von Plastik sind sehr teuer, daher schicken wir seit Jahren 65% dieser „Wertstoffe“ nach China und geben ihnen Geld für die Entsorgung. Seit 2018 möchten die Chinesen unseren Müll nicht mehr aufnehmen, weshalb wir seit 2018 in Malaysia entsorgen. Malaysia hat diesen Müll eine zeitlang in leerstehenden Fabrikhallen gelagert doch nun wird es dort eng. Sie lagern diesen Müll jetzt auf offenen Deponien und wir können in den Medien, malaysischen Kindern dabei zusehen, wie sie darin herum wühlen. Stellenweise verbrennen sie das Plastik auch offen, was die Bevölkerung zunehmen an Atemwegserkrankungen leiden lässt. Anderorts werden große Teile dieses Mülls ins Meer geschwemmt. Der Müll lässt die Bilder von Walen entstehen, die bis oben hin voll mit Plastik gestrandet sind und zu einem Aufschrei in deutschen Wohnzimmern führen. Seit August 2019 schickt Malaysia den Müll an die Erzeugerländer zurück, die weltweit vertreten sind.

Wir möchten aus der Kernkraft aussteigen, von der wir einst glaubten, sie sei die sauberste Art der Energiegewinnung denn die Entsorgung der Restbestände überfordert uns. Auf die neuen Lösungen zur Energiegewinnung können wir uns nicht so recht einigen und weil der Strom eben nicht einfach aus der Steckdose kommt, kaufen wir unseren Restbedarf in Frankreich, wo er in den dortigen Atomreaktoren hergestellt wird, wir denken bis zur Grenze. Das Festhalten an der Zeitumstellung wird den Rest schon richten.

Wir bestehen auf unserer täglichen Portion Fleisch und da wir die vielen Menschen in unserem Land, die wenig Geld haben auch damit beglücken wollen, akzeptieren wir Massentierhaltung. Die Massen an Tieren, die wir unmöglich alle essen können brauchen Futter und so holzen wir Wälder ab um Platz zu schaffen, um Mais, Reis und Soja anzubauen. Sehr viele Tiere produzieren Methan, das wir eigentlich zur Energiegewinnung nutzen könnten aber wir sehen dabei zu wie es sich verflüchtigt und zu CO2 wird.

Wir zeigen auf China weil sie den Weltmarkt mit Elektroartikeln überschwemmen und verlängern alle 2 Jahre unseren Mobilfunkvertrag weil wir dann ein krachneues Handy bekommen.

Wir nehmen hin, dass ein deutscher Chemiekonzern den größten Agrarriesen aufkauft, um auch weiterhin Bauern weltweit mit genmanipuliertem Saatgut zu versorgen. Wir sehen, dass das Pestizid und Herbizid Glyphosat für weltweites Insektensterben verantwortlich ist und freuen uns, dass es in vielen Ländern verboten wurde, deshalb wird Glyphosat jetzt unter anderem Namen weiterverkauft.

Wir wollen zu jeder Zeit alles essen daher kaufen wir auch Bananen aus Costa Rica, Melonen aus Südamerika, Bohnen aus Kenia und Jaffa Orangen aus Israel, ohne Rücksicht auf die Transportwege, hauptsache bunt und vielfältig. Wir unterstützen Aldi, Lidl, Rewe und Co billiges stark Pestizidbelastetes Obst und Gemüse aus Spanien anzubieten und riskieren unsere Gesundheit.

In der Arktis brennt ein riesiges Feuer, das sich durch die Torfböden frisst. Dabei entstand im Juni ein gemessener CO2 Ausstoß, wie ihn Schweden in einem Jahr erzeugt. Kanadische und sibirische Wälder brennen, unsere eigenen Wälder sind in extrem schlechtem Zustand und werden von Borkenkäfern heimgesucht. Die Welt brennt und versinkt in Tsunamis und schmelzendem Eis. Etliche Tiere verlieren ihren Lebensraum und sind vom Aussterben bedroht. Die Weltbevölkerung explodiert und will essen.

An dieser Stelle kommt wieder die Schülerin Greta ins Spiel. Sie hat sich erlaubt uns auf all das hinzuweisen und eigentlich müssten wir ihr dankbar sein, dass sie uns die Augen geöffnet hat, denn nun nachdem so viele Menschen diese Erkenntnisse gewinnen konnten, können wir handeln. Stattdessen schreiben wir 2019 die Geschichte der Leugner, der Anfeinder, der Bagatellisierer und Schönredner. Ein nicht unerheblicher Teil meiner Mitmenschen feindet Greta Thunberg an und scheint sich von ihr bedroht zu fühlen. Sie fühlen sich bedroht von dem Wind der Veränderung, der plötzlich weht, haben Angst ihren Status Quo aufgeben zu müssen, ihre Komfortzone zu verlassen, Abstriche in Kauf zu nehmen und die Macht der Gewohnheit ziehen zu lassen. Spott und Häme durchzieht das Netz, man beschimpft sie, zum Teil aufs Übelste. Plötzlich ist ein Pulk von selbsternannten Wissenschaftlern entstanden, die in ihrer grenzenlosen Dummheit versuchen, jede von ihr, noch so nachvollziehbare These zu entwerten und zu entkräften.

Und ich frage mich, wo bin ich hier eigentlich gelandet?

Marion Decker

Greta aus Schweden

Wir wollen alles und auf nichts verzichten, Konsum befreit und Geiz ist geil…

19. März um 11:52

Nachdenken und mich ärgern… Ein 15 jähriges Mädchen namens Greta aus Schweden sorgt sich um unsere Welt, die irgendwann ihr gehören wird. Sie bringt ihre Sorge zum Ausdruck, indem sie 1,50m groß, geflochtene Zöpfe, lila Rucksack ganz allein mit einem Pappschild vor dem schwedischen Reichstag sitzt. Auf ihrem Schild steht „Skolstrejk for klimatet“, was heißt, Schulstreik für das Klima. Greta hat Wut im Bauch. Dieses Bild geht um die Welt und erreicht immer mehr Menschen, vor allem junge Menschen ihres Alters. Nach kurzer Zeit solidarisieren sich sehr viele mit ihr und machen es ihr nach. Sie machen das, weil Greta etwas wichtiges zu sagen hat und weil sie Charisma hat, sie überzeugt viele meiner Mitmenschen und auch mich und so stehe ich heute zur großen Greta. Ich sehe, wie unsere Kinder auf die Straße gehen um unsere/ihre Welt zu retten. Unsere Kinder haben nun soviel Weitsicht, dass ihnen völlig klar ist, dass der Abbau der Ressourcen unserer Erde unmöglich so weiter gehen kann.

Wir nehmen uns was geht, ohne Rücksicht auf kommende Generationen wie Greta und all die Anderen, nach dem Motto, „Nach mir die Sintflut“! Wir drecken alles zu und zappen, satt und entspannt weiter, wenn über die Müllhalde Weltmeer gesprochen wird. Wir haben schließlich eigene Probleme. Erneuerbare Energien sind uns hoch wie breit, der Strom kam doch immer aus der Steckdose. Atomkraft ist höchst störanfällig und wenn sich eine Katastrofe ereignete, ist die empörte Halbwertszeit in den Köpfen meiner Mitmenschen dann verpufft, wenn die Presse fertig ist, das Thema auszuschlachten. Die Windräder schlucken zu viele Vögel, die Solarzellen verschandeln die Landschaft, die Feinstaubmessungen sind gefaked, Elektroautos zu teuer. Der fleischfreie Tag an Schulen, ist eine bodenlose Frechheit und die Idee mal das Licht früher zu löschen, schränkt mich völlig in meiner persönlichen Freiheit ein. Wir holzen urbane Wälder ab, genau wie Regenwälder. Wir lieben Alukapselkaffee und bleiben wegen dem unschlagbaren Geschmack dabei oder tragen Plastikbecher durch die Gegend weil die Zeit drängt. Wir kaufen billigste Klamotten, ahnen dass sie von kleinen Kindern unter Wasser handgeklöppelt sein müssen und jagen weiter Schnäppchen. Wir essen Fleisch, das man uns gefühlt umsonst hinterherwirft, Qualität ist beim Smartphone einfach wichtiger. Wir wollen alles und auf nichts verzichten, Konsum befreit und Geiz ist geil.

Währendessen stranden Wale, es sterben Amseln, es verschwinden Insekten. An Nord- und Südpol schmilzt das Eis und der Lebensraum für Tiere wird knapp. Öltanker verunglücken und laufen aus. Asien wird von Tsunamis heimgesucht, die alles zerstören. In unseren Regionen regnet es endlos, Stürme toben und die Sommer werden immer heißer. Wir sitzen in unserer Komfortzone, in unseren sicheren Häusern, schaufeln ungesundes Zeug in uns rein und meckern. Wir meckern über alles und Jeden. Neuerdings meckern wir über unsere Kinder, die unsere Welt zu retten versuchen. Wir wissen, dass sie recht haben und haben ein schlechtes Gewissen, weil wir zu bequem sind. Sie machen ebenso unseren Job, wie vor kurzem die Hambacher Waldbewohner und ihre Freunde. Wir überlassen unseren Kindern unsere Verantwortung weil wir faul und gedankenlos sind. Wir traben lieber in ausgetretenen Pfaden, sind denkfaul und meckern, weil sie unseren Job an einem Freitag machen, an einem Tag der Leistung erfordert. Weil sie unsere Arbeit an einem Schultag erledigen und nicht in ihrer Freizeit, wo Vergnügen, wie bei -2°C auf der Straße stehen eigentlich hingehört. Dann hinterlassen sie auch noch ihren Müll, bestehend aus ein paar Pappschildern und ein wenig Einweggeschirr, wo doch heutzutage jedes Kind weiß, dass Plastikmüll unserer Umwelt schadet. Ich bin beschämt über die Reaktionen meiner erwachsenen Mitmenschen, die gerne alles kleinreden, was nicht auf ihrem Mist gewachsen ist.

Genauso bin ich stolz auf unsere Kinder. Ich erlebe eine neue Generation junger Menschen, die ihre Meinung sagen, die nachdenken und eine Weitsicht entwickeln, die vielen älteren Menschen nicht möglich scheint. So wünsche ich es mir seit Jahren und nun hat es sich erfüllt. Meine Profis seid unbestritten ihr.

In diesem Sinne Augen auf, zuhören, nachdenken, unterstützen. ❤️

Marion Decker