Wir Frauen über 50

Die Presse zeigt mir jeden Tag, wie ich als Frau gern´ ausseh’n mag.

Die Brüste straff, der Hintern fest, Taille ins Korsett gepresst.

Die Stirn muss ohne Falten sein, der Bauch zwar rundlich, aber klein.

Glattrasiert ist einfach fein, Frau will doch wohl kein Kaktus sein!

Am Make-up sollte keine sparen, Natur-Teint ist zu abgefahren.

Die Nägel gerne rot lackiert, weil das die Männer motiviert.

Das Haar gefälligst gut frisiert, als wenn das irgendwen interessiert.

Die Kleidergröße ist relevant, alles über 38 nicht tolerant.

Auch Vitalität ist besonders wichtig, kommst du gebrechlich, bist du nicht richtig.

Die Kinderfrage ist jetzt geklärt und doch lebt es sich nicht unbeschwert.

Denn jetzt entdeck´ ich die ersten Venen, die fröhlich ihr Eigendasein leben.

Sie quellen leicht hervor am Bein, das ist grausam, unschön und gemein.

Die Haut ist auch nicht mehr so glatt, die Rückfront eher platt.

Die Waage mag ich gar nicht mehr, sagt sie mir doch: „Du bist zu schwer!“

Jetzt laufe ich im Waldgebiet, wo mich selten jemand sieht.

Keuch´ und schwitze wie ein Tier und esse nichts mehr nach halb vier.

Den Eiweißshake, den trink ich pur, das schönt mir die Figur.

Verträumt denk´ ich an Schweinebraten, nein, es gibt Gemüse aus dem Garten.

Und quält ein Hunger zwischenzeitlich, dann werde ich ganz unleidlich.

Mein Versuch, dem altern zu entkommen, ist kläglich und mal angenommen,

der Jugend Schönheit ist vergänglich, in Würde reifen unumgänglich.

Mein Blick im Spiegel mir Gewissheit schafft, die Zitrone hat noch Saft.

Lebendigkeit, die manchmal fehlt, ist doch das Einzige, was zählt.

Ich spür´ mich heut´ ganz intensiv, des Wassers Stille gründet tief.

Meide die gedanklich´ Dramen und gebe Problemen lustige Namen.

Erfüllung macht heut´ viel mehr Sinn, ich akzeptier´ mich, wie ich bin.

Mit leicht stolz geschwellter Brust genieß’ ich meine Lebenslust.

Und die Moral von der Geschicht´ verkrampf dich nicht, sei wie du bist.

© Marion Decker

Zwiegespräch mit mir

Perfekt zu sein, das ist echt Arbeit.
Und kostet auch noch sehr viel Zeit.
Belohnt wird dieser Aufwand nicht,
im Gegenteil, er wird zur Pflicht.
Gern´ zeigst du der ganzen Welt, 
das, was dir an dir gefällt.
Du strahlst und heimst Pokale ein,
du wirst bewundert, das ist fein.
Das, was du glaubst, das dich darstellt,
hat deinen Alltag stets erhellt.
Doch, wenn du einmal ehrlich bist, 
erkennst du, das ist großer Mist.
Denn kommt dann jemand Mal daher 
und übt Kritik, dann hast du's schwer.
Du grämst dich, deine Haltung fällt,
weil man dich infrage stellt.
Nun wankt der Turm, in dem du lebst.
Die Göttlichkeit nach der du strebst,
weicht dem Gefühl der Einsamkeit,
dem Ringen um Gelassenheit.
Der Thron auf dem du lang gesessen, 
er lässt dich jetzt nicht mehr vergessen.
Das Leben, das ist Sein und Werde.
Und du bist nicht der Mittelpunkt der Erde.

© Marion Decker
Pic: Jill Wellington Pixabay

Der Sommer atmet aus

Noch zeigst du uns an milden Tagen,
wozu du gerne fähig bist.
Lässt Schmetterlinge tanzen.
Bis das Licht erloschen ist.

Die warme Luft, die ich verspürte,
weicht unbeirrt dem vollen Mond,
der entschlossen hoflos leuchtet,
bis die Kälte über allem thront.

Die alten Weiber sind gekommen
und bringen Sturm mit aller Macht.
Blätter wehen durch die Lüfte,
in allerschönster Farbenpracht.

Rot, Gelb, Gold und Erden töne
strahlen nun im Wiesengrün,
das satt und saftig leuchtet,
bis die Blumen nicht mehr blüh’n.

Der Morgen wird beherrscht,
von Feuchtigkeit und Nebelschwaden.
Sie verzaubern Spinnennetze,
in der Früh‘, in Wasserperlenfaden.

Die Ernte ist längst eingefahren,
das Vieh wird in den Stall gebracht.
Vögel ziehen in den Süden,
weil der Winter draußen wacht.

Das Ofenfeuer prasselt leise,
ruft knisternd nach Gemütlichkeit.
Frauen wecken ein und kochen Eintopf
und verbreiten schallend Heiterkeit.

Der Wechsel zeigt Vergänglichkeit,
die über allem liegt.
Die Leichtigkeit weicht einer Tiefe,
die im Winter überwiegt.

Ich mag sie, diese bunte, nasse
oftmals trübe, dunkle Zeit.
Du klopfst an, trittst ein
und im Hause wirkt Geborgenheit.

Mein Herz wird warm,
ich träum´mich in den Winterschlaf
und spüre schon die Freude,
die mich im letzten Frühling traf.

© Marion Decker

Melancholie

Die Gedanken rasen durch die Zeit, 
laut ruft die Vergangenheit, 
mir meinen Namen hinterher 
und mein Herz wird schwer. 

Gerade noch die Lust am Leben,
Freude schenken, Liebe geben.
Fühl ich mich jetzt so sehr allein,
wie soll es anders sein?

Ich habe niemanden gebeten,
Teil zu sein von dem erlebten
aber euch war es genehm,
mir beim Leiden zuzuseh'n.

Die Sonne geht jetzt langsam unter,
dort draußen sind die Menschen munter.
Die Welt kommt diese Nacht zur Ruh',
auch ich mach meine Augen zu.

Am nächsten Morgen bin ich leer,
das Erwachen fällt mir schwer,
bemühe mich um aufzusteh'n 
und mit Mut nach vorn zu seh'n.

Ich geh' jetzt meine eig'nen Wege,
entscheide selbst was ich erlebe.
Mit aller Kraft will ich behalten,
meine Zukunft zu gestalten.

Viel Großes kommt mir in den Sinn,
ich denke, bis ich ruhiger bin.
So vieles gibt es noch zu tun,
das Alte muss für heute ruh'n.

© Marion Decker

Wie man sich auf Social Media nicht verhält

In dieser heiteren, teils bitterernsten Versammlungsstätte namens Facebook, beobachte ich seit ich dabei bin, was eine gute Kommunikation ausmacht und was sie ganz sicher scheitern lässt…

28. September 2018

Kommunikation hat seit vielen Jahren, eine immer größer werdende Anerkennung bei mir gefunden. Meine Großmutter mütterlicherseits war besonders sprachbegabt und wäre ich disziplinierter, wäre ich das auch. Immerhin widme ich mich hingebungsvoll meiner Mutter,- unserer Landessprache, die ebenso schön wie kompliziert ist. Ich liebe den gelingenden Austausch, das Mitteilen und mich verstanden fühlen. Es regt mein Belohnungszentrum ähnlich an, wie guter Sex oder ein gutes Essen. So kann ich ganz und gar berauscht und Dopamin trunken aus einem guten Gespräch hervorgehen und noch Tage davon zehren.

In dieser heiteren, teils bitterernsten Versammlungsstätte namens Facebook, beobachte ich seit ich dabei bin, was eine gute Kommunikation ausmacht und was sie ganz sicher scheitern lässt. Aus ganz eigenen schmerzlichen, jahrzehntelangen Erfahrungen weiß ich, dass Klugscheißerei keine große Anerkennung findet. Sicher, ich kam mir klug und jovial vor, wenn ich mich wieder einmal herausgefordert fühlte, meine grenzenlose Intelligenz, unaufgefordert zur Schau zu stellen. Mein Gegenüber allerdings, zog sich launisch und gekränkt zurück, um in aller Stille zu verarbeiten, wie sehr er sich von mir bevormundet und unterschätzt fühlte.

Mir ist auch aufgefallen, dass, sich in ein laufendes Gespräch – wie sich bei kommentierten Postings häufiger die Möglichkeit bietet – einzuklinken, ohne das Posting gelesen oder verstanden zu haben, für wenig Freude auf der anderen Seite sorgt. Dieses Verhalten, dient oftmals der reinen Selbstdarstellung. Hier wird die Gunst der Stunde genutzt, etwas unter ein Posting zu klatschen, was einfach nur auf sich selbst aufmerksam machen möchte. Es erweist sich als ähnlich wenig hilfreich wie Klugscheißerei, um zum Ziel „Dialog“ zu führen.

Gerade in Gruppen, in denen sich viele Menschen des gleichen Berufsstandes tummeln, beobachte ich stets aufs Neue, die sowohl unnötige als auch lästige Eigenschaft des Kompetenzgerangels. Der Rangler fühlt sich unterlegen und versucht davon abzulenken, indem er sich als besonders erfahren auf seinem Gebiet, gewissermaßen als Koryphäe aufspielt. Dieses Verhalten kommt bei vielen Gruppenmitgliedern so schlecht an, dass sie dynamisch zurücktreten.

Ein weiterer Faktor, der Kommunikation misslingen lässt, ist Missgunst. Der, dem missgönnt wird, spürt den Neid, der wie ein Stachel ins Gewebe dringt, auch wenn er nur sehr leise gespuckt wird.

Schuldzuweisungen sind äußerst beliebt und im Grunde schon längst zu einem begehrten Volkssport geworden. Es sind alle anderen Schuld, die Merkel, der Stoiber, der Spahn, der Seehofer, die Roth, die Nahles, der Özil, der Yeti, die Hitze, der Regen, die Zeitumstellung, der Bergbau, der Diesel, die Windräder. Bei Schuldzuweisungen sind sich erstaunlich viele Menschen einig, aber nur solange der Klugscheißer und der Selbstdarsteller sich raushalten.

Ich stelle fest, es gibt enorm viele Denk,- oder Verhaltensweisen, die ausgesprochen dienlich dazu beitragen, sich unbeliebt zu machen. Dem Einen gefällt das ausgesprochen gut, weil er sich selbst als individualistischen Querkopf mit großem Charakter sehen möchte und nicht als den unsozialen narzisstischen alten Sack, der er eigentlich ist, dem anderen gefällt das unbeliebt sein nicht.

Ich persönlich bevorzuge die Gemeinschaft, den freundlichen Austausch, die feine Art, ich mag das Zugehörigkeitsgefühl. Was gelingende Kommunikation ausmacht, ist sicher auch in erster Linie der Wunsch, den anderen zu verstehen. Auch wenn es vorkommt nicht auf einen Nenner zu kommen, anderer Meinung zu bleiben, dann ist es hilfreich den anderen so sein zu lassen wie er ist, es gibt nichts zu gewinnen. Manchmal ist es auch sinnstiftend, Grenzen zu setzen, dabei ist ein klares Nein glaubwürdiger, als ein wortreiches Nein, das Zweifel hinterlässt und Kompromissbereitschaft signalisiert. Letztendlich ist die Regel für gelingende Kommunikation ganz einfach:

„Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füge keinem Anderen zu“!

In diesem Sinne meine Freunde, gutes Gelingen 🍀🙏❤️

© Marion Decker