Chemnitz

Ich spüre, dass ein riesiger Riss durch unser Land geht. Wir sind entzweit, geteilt in links und rechts, in Osten und Westen, reich und arm, laut und leise, Gutmenschen und Wutbürger, ewig Gestrige und besorgte Bürger, Asylanten und deutsche…

29. August 2018

Die Vorfälle in Chemnitz und die daraus resultierenden Ereignisse haben mich zutiefst nachdenklich gestimmt, nicht weil es so verwunderlich ist, dass damit nicht zu rechnen war, sondern weil meine gewonnenen Erkenntnisse mich das Fürchten lehren. Sehr kurz zusammenfassend haben am 25. August ein 23-jähriger Syrer und ein 22-jähriger Iraner in Chemnitz während einem Stadtfest, 25x auf einen 35-jährigen deutschen Mann eingestochen, der daraufhin verstarb. Darauf folgte eine Hetzjagd, in der ein Mob von Menschen mit nazistischem Hintergrund Jagd auf Menschen mit Migrationshintergrund machten. Am darauffolgenden Abend findet eine Demonstration statt, in der ca. 2000 dieser Menschen mit ebendiesen nazistischen Überzeugungen unangemeldet aufmarschieren.

Um ihrem Unmut über den Tod des getöteten Luft zu machen, halten sie ein Plakat in die Luft, auf dem man 12 Gesichter von z.T. schwerst misshandelten Frauen sehen kann, mit der Aufschrift „Wir sind bunt bis das Blut spritzt“! Man möchte mir als sogenanntem Gutmensch aufdringlich suggerieren, dass, solange ich mich bunt statt braun fühle, früher oder später auch mein Blut spritzen wird. Das die 12 abgebildeten Frauen in England und Amerika leben und größtenteils von ihren eigenen Männern so zugerichtet wurden, hier nur am Rande. Das Plakat war zügig vorhanden und der Mob gut organisiert, das Netz macht es möglich. Einen Tag später kommt es zu einer Gegendemonstration von Menschen, die sich den Menschen, die erkennbar rechtes Gedankengut propagieren entgegenstellen. Die Presse bezeichnet die Gegendemonstranten als „Linke“, das passt nun mal einfach auch so schön ins Bild, weil der Mob ja rechts steht, so herrscht Ordnung denn das mögen wir und unser Wertesystem.

Als ich erstmals von Chemnitz hörte und die Betroffenheit meiner nachdenklichen Mitmenschen spürte, suchte ich nach Informationen und recherchierte um zu verstehen, was sich als schwierig erwies. Bis heute ist die Berichterstattung gewohnt einseitig und mein Vertrauen in Nachrichtendienste nachhaltig gebrochen. Ich spüre, dass ein riesiger Riss durch unser Land geht. Wir sind entzweit, geteilt in links und rechts, in Osten und Westen, reich und arm, laut und leise, Gutmenschen und Wutbürger, ewig-gestrige und besorgte Bürger, geflüchtete und deutsche. Die Stimmung im Netz kocht hoch, wir beginnen uns gegenseitig zu denunzieren, wir entfreunden die Unverstandenen oder sie uns. Der Ton ist zunehmend gereizt, die Stimmung aggressiv, wir vergessen unsere guten Manieren und schlagen verbal um uns. Die Ereignisse in Chemnitz sind so hoch gepoppt, dass es uns kalt erwischt hat, ein verhasster Teil unserer Gesellschaft grenzt sich problem- und bedenkenlos aus und zeigt uns ganz öffentlich die Fratze des Hasses, der Wut und latenten Unzufriedenheit und manch einer wundert sich. So verwunderlich ist es allerdings nicht, dieser ostdeutsche Nazimob, das sind tatsächlich die Abgehängten, die Vergessenen, die denen wir vieles versprochen haben, Aufschwung, Arbeit, Geld. Tatsächlich hatten sie vor uns alles, in ihrer sozialistischen Planwirtschaft ihre Arbeit, ihr Einkommen, ihren freien Wohnraum.

Ich bitte an dieser Stelle inständig nicht falsch verstanden zu werden. Ich möchte die Denkweise dieser rechten Gesinnung nicht schön reden oder rechtfertigen, ihr Verhalten widert mich an. Ich möchte einfach darauf aufmerksam machen, warum sie so empfänglich sind für Gruppenbildung, Gewaltbereitschaft und die AFD. Ich möchte aufzeigen, dass wir im ganzen Land große Probleme haben mit Menschen, die sich abgehängt und an den Rand gedrängt fühlen auch mit Menschen aus der intellektuellen Mitte, die auf diesen Zug aufspringen, obwohl sie gar keinen Anlass für Veränderung sehen, weil es ihnen eigentlich gut geht. Und nicht zuletzt „Hinz und Kunz“, die ohne jeglichen eigenen Gedanken als 75 tausendster irgendwelche an den Haaren herbeigezogenen Posts weiter verbreiten. Ich sehe wie seit Sonntag eine Gruppendynamik entsteht, die wie ein Waldbrand um sich greift. Wenn wir jetzt bürgerkriegsähnliche Zustände erleben ist das hier nicht mehr das Land in dem ich gut und gerne lebe und wo soll ich dann hin? Meine große schöne Freundin mit dem wohlklingenden Namen Vernunft ist nicht greifbar. Lasst uns aufhören Probleme zu ignorieren, Probleme einzelner zu belächeln, lasst uns mehr und respektvoll miteinander reden, uns gegenseitig zuhören, füreinander da sein, zusammenhalten, eine erwachsene, reife Demokratie leben. Lassen wir uns nicht vor einen Karren spannen und instrumentalisieren.

Eine friedvolle Zeit wünsche ich Euch

© Marion Decker ❤️

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