Obdachlos ist keine Berufsbezeichnung

Ganz und gar verrückt finde ich auch die nun kursierende Annahme, Flüchtlinge würden gegenüber unseren Obdachlosen bevorzugt behandelt denn, 1. sind das zwei komplett unterschiedliche Themen und 2. waren den Leuten, die sowas verbreiten „Unsere Obdachlosen“ doch vor der Flüchtlingswelle vollkommen schnurz…

6. Dezember 2017

Ihr seht, ich bin wieder ganz oben „Auf der Palme“! Zurzeit häufen sich im Netz rasant die Annahmen, dass obdachlose Menschen gar nicht obdachlos sind, sondern Betrüger, die uns das wenige Geld aus der Tasche ziehen wollen. Alles Schauspieler, die nur so tun, als wären sie in eine Notlage geraten. Schon vor ein paar Jahren machte hartnäckig die Mär von einem Bettler in Saarlouis die Runde, der sich angeblich einen soliden Nebenverdienst in Millionenhöhe ergaunerte, indem er Geld erbettelte, um am Feierabend in seinen fetten Benz einzusteigen und sein behagliches Heim aufzusuchen.

Tatsächlich erkennen wir unsere obdachlosen Mitmenschen daran, dass sie aus jeder Pore ihres Daseins ausstrahlen, dass es ihnen richtig dreckig geht, an ihrer verkrampften Körperhaltung, dass sie frieren, an dem Teint ihrer Haut, dass sie Mangel ernährt sind und an dem ungepflegten Äußeren, dass sie kein Bad mit fließend Wasser ihr Eigen nennen können. Es sind Menschen, die nicht freiwillig auf der Straße sitzen, den Erwerb aller möglichen Krankheiten in Kauf nehmen, die Gefahr geschlagen, getreten oder ausgeraubt zu werden oder zu erfrieren. Es sind Menschen, die das Gefühl der Wertlosigkeit von morgens bis abends mit sich herumschleppen, denen eben nicht gerade die Sonne aus dem A…scheint. Die meisten von ihnen sind in dieser Situation, weil sie einen erlebten Schicksalsschlag nicht überwinden können. Sie sind abgerutscht in ein Elend, aus dem sie aus eigener Kraft nicht mehr rauskommen. Niemand sitzt zu dieser Jahreszeit da draußen und bettelt oder sammelt Pfandflaschen aus Passion oder weil es sich so geil anfühlt unabhängig zu sein. Setzt euch doch einmal zu einem und beginnt eine freundliche Unterhaltung. Ich garantiere, wenn ihr sie oder ihn nicht bevormundet, erzählen sie euch wie ihnen das passieren konnte.

Obdachlose liegen nicht einmal, wie häufig vermutet, dem Staat, also uns auf der Tasche, weil sie aus unserem sozialen System schlicht rausfallen denn sie haben keinen festen Wohnsitz, deshalb bekommen sie bei keiner Bank ein Konto. Ohne Bankverbindung kann kein Amt ihnen Geld überweisen. Es ist also keinesfalls dienlich für die Ärmsten der Armen solche Unwahrheiten zu verbreiten wie, „Die Masche mit dem Hund“ oder „Organisierte Bettler-banden unterwegs“ weil ihr damit unsere freigiebigen, aufgeschlossenen Mitmenschen verunsichert und sie nichts mehr geben. Es ist ebenso wenig hilfreich, sie in irgendwelche leer stehende Asylantenheime in Pusemuckel abschieben zu wollen, weil sie in der Pampa wiederum keine Einnahmequelle haben.

Ganz und gar verrückt finde ich auch die nun kursierende Annahme, Asylsuchende würden gegenüber unseren Obdachlosen bevorzugt behandelt, denn, erstens sind das zwei komplett unterschiedliche Themen und zweitens waren den Leuten, die so was verbreiten „Unsere Obdachlosen“ doch vor der Flüchtlingswelle vollkommen schnurz. Wenn ihr Euch dazu entschließen möchtet, nette, freundliche, hilfsbereite, selbstständig denkende, erwachsene Menschen zu sein, dann empfehle ich den Kältebus Saarbrücken https://www.facebook.com/kaeltebus.saarbruecken/ haben in den Jahren wirklich etwas bewegt und freuen sich auch in diesem Jahr wieder über materielle oder finanzielle Unterstützung. Dort könnt Ihr durch und durch „echte“ Obdachlose kennenlernen, mit ihnen sprechen, staunen, eine warme Mahlzeit verteilen u.s.w.. Ihr könnt auch anonym helfen denn Nächstenliebe prahlt ja nicht 😉

Ich wünsche, was so selbstverständlich erscheint, eine warme, satte, geborgene und friedvolle Zeit und nicht vergessen:

„Jeder von uns hat einen Ort, an dem der Schmerz wohnt“! Michael Patrick Kelly

© Marion Decker